Begegnungen,  Schönes Österreich, mein Österreich

Auf den Spuren des schlechten Wetters

Wenn es regnet, sagt man, weine der Himmel.

Ich liebe diese Tage, die regenstillen, die in sich versunkenen, wenn die Welt — diese sonst so schreiende, schrille, bunte Welt — plötzlich verstummt. Wenn sie erschrickt und sich scheu verbirgt. Wenn die bis vor Kurzem belebten Gassen sich auf einmal leeren. Wenn der Regen sie behutsam reinwäscht. Wenn der Nebel sich langsam in weichen Wollflocken über Hügel und Dächer legt, träge hinabrollt und lautlos im See versinkt. Wenn die Uhren unmerklich stehen bleiben. Wenn man die müde Zeit schwer seufzen hören kann.

Das ist ja eben der stille Segen des schlechten Wetters — man muss nicht hinauf, immer höher hinauf in die Berge, um es zu spüren. Eine genauso innige Begegnung kann auch dort stattfinden, wo es zuvor stumm und unbemerkt zugegen war.

Mir macht das schlechte Wetter keine Angst. Im Gegenteil — es steht auf meiner Seite. Wir reisen schweigend miteinander – unsere seltene Chance, einander ganz allein zu gehören. Der Regen, der unentwegt seine Melodie im Takt mitsingt; die schweren Tropfen, die unaufhörlich aus den Wolken fallen, eine im Wettlauf mit der anderen, zögernd an der Scheibe herabrinnen, ungestüm auf dem Wasser trommeln — wie ein ungebetener Gast, der so sehnlich eingelassen werden möchte.

Ich liebe das schlechte Wetter. Mit einem Mal erinnert man sich daran, wer die Zügel wirklich hält in diesem Leben.

An diesem verregneten Tag, auf den Spuren des schlechten Wetter –

Eure Neli P

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