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Fragment#1: Glück
Manchmal ist das Glück nichts, das man sich nimmt, sondern etwas, dem man sich überlässt. Du erzwingst es nicht; du lässt das Geschehen geschehen, gibst dem Augenblick die Erlaubnis, dich ganz einzunehmen. In deiner Verletzlichkeit, in deiner wahren Natur verweilst du, und du umarmst ihn – diesen Augenblick. Etwas Göttliches entsteht in dieser Begegnung. Heute duften die Felder anders. Berauschend süß-sauer, frisch, tief; der Geruch trägt dich weiter, immer weiter. Du versuchst, deine Lieblingsbäume in eine Rangliste zu bringen, chronologisch, von Kindheit an: Birke, Trauerweide, Linde, Pinie. Sattsehen kannst du dich nicht – als hättest du zum ersten Mal Augen für diese grüne Landschaft. In der Bewegung der leicht vom…
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Bleib, Mensch
Bleib, Mensch
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Auf den Spuren des schlechten Wetters
Wenn es regnet, sagt man, weine der Himmel. Ich liebe diese Tage, die regenstillen, die in sich versunkenen, wenn die Welt — diese sonst so schreiende, schrille, bunte Welt — plötzlich verstummt. Wenn sie erschrickt und sich scheu verbirgt. Wenn die bis vor Kurzem belebten Gassen sich auf einmal leeren. Wenn der Regen sie behutsam reinwäscht. Wenn der Nebel sich langsam in weichen Wollflocken über Hügel und Dächer legt, träge hinabrollt und lautlos im See versinkt. Wenn die Uhren unmerklich stehen bleiben. Wenn man die müde Zeit schwer seufzen hören kann. Das ist ja eben der stille Segen des schlechten Wetters — man muss nicht hinauf, immer höher hinauf in…
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Das Kaffeehaus
Das Geräusch – die eigentliche Musik des Kaffeehauses: fröhlich-rauschendes Gewimmel, das feine Klappern des Geschirrs, unbeschwerte Gespräche, die sich überlagern und wieder verlieren. Im Eck links von mir drei Freundinnen zwischen fünfundsiebzig und achtzig, die sich – beherzt in die Kamera blickend – fotografieren lassen. Ihnen gegenüber ein Paar, das plötzlich in schallendes Gelächter ausbricht. Daneben zwei Damen mittleren Alters, in ein ruhiges, beinahe vertrauliches Gespräch vertieft. Mir gegenüber ein älterer Herr, der mit sichtlichem Genuss eine der berühmten Zauner-Schnitten verschlingt. Rechts von mir eine junge Mutter mit ihrer zweijährigen Prinzessin und einem vierjährigen Prinzen, die Großmutter an ihrer Seite. Ihnen gegenüber: ganz gewöhnliche Frauen und Männer, die gemütlich die…
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Links, rechts, vorwärts…
SPEED (kills content) Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble.In Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Theater am Werk, Wien. Links, rechts, vorwärts… Die Bewegungen, die das Ensemble auf der Bühne vollzieht, wirken wie eine choreografierte Übersetzung unserer gesellschaftlichen Zerrissenheit. In der neuen Produktion „Speed“ des aktionstheater ensemble im Theater am Werk entfaltet sich ein Abend, der zugleich rasant, humorvoll, scharf beobachtet und tief berührend ist. Das Ensemble bleibt seinem Markenzeichen treu: unerschöpflicher Witz, präzise Ironie und eine entwaffnende Offenheit, die das Publikum unmittelbar erreicht. Diese Schauspielerinnen und Schauspieler sind längst mehr als nur Darstellende – sie sind ein Spiegel, ein Korrektiv, ein Resonanzraum unseres eigenen Herumirrens im hektischen Takt der…
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Die Himmelsleiter hinauf: Eine Erinnerung an meine Mutter
Über Verlust, Rettung und die zarte Verbindung zwischen dem Dies- und dem Jenseits Genau vor einem Jahr ist meine Mutter von uns gegangen. Ich konnte sie nicht retten. Zwar wusste ich, dass Menschen sterben und diese Welt verlassen, doch hatte ich den Tod immer als etwas Fernes, fast Unwirkliches empfunden – so wie damals, als unsere Vermieterin starb und ich gerade einmal sechs Jahre alt war. Das erstarrte Wesen, das alle beweinten, war Lichtjahre von mir entfernt. Erst als meine Mutter ging, wurde der Tod für mich greifbar und real. So zerbrechlich wie eine Wachsfigur lag sie im Krankenhausbett, mit dem Zopf, den ich ihr geflochten hatte, und stellte immer…
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Unsere Welt
Ragazzi del Mondo. Nur eine Welt Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble In Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz und dem Theater Kosmos. In Kooperation mit Theater am Werk, Wien. Ab Mi. 11. Juni im Theater am Werk, Wien, sowie ab Do. 26. Juni im Theater Kosmos Bregenz – im Rahmen des internationalen Festivals Bregenzer Frühling zu sehen. Aktionstheater ensemble ist die Theaterkompanie, die ich mit angehaltenem Atem erwarte. Ich zähle die Tage, frage mich, ob ich nicht einmal nach Bregenz fahren sollte – zu der Stadt, mit der das aktionstheater tief verbunden ist –, um mehr zu spüren, noch mehr zu erfahren. So groß ist meine…
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Über den Schmerz
Wenn man mich fragt, wie sich der Schmerz anfühlt, könnte ich unendlich viel erzählen. Er ist allgegenwärtig. In den Nächten, wenn ich träume, dass sie nur für zwei Minuten gegangen war – und dann wieder aufwachte. Wenn ich höre, wie sie mich ruft, damit ich sie von jenem Ort abhole, an dem ich sie zurückgelassen habe. Wenn ich in meinen Träumen mit ihr reise, immer auf der Suche nach einem Haus mit schöner Aussicht für sie. Wenn ich ihr Paris zeige, weil sie Französisch sprach, französische Filme und Chansons liebte – eine Reise, die ich so sehr mit ihr machen wollte. Wenn ich in der Augustinerkirche sitze und ihr von…
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Magdalena
Es ist nicht nur ihr Name, der etwas fast Religiöses suggeriert. Dass hier, im Salon Magdalena Bari Kunst in ein Heiligtum verwandelt wird und allem, was ihre Hände berühren, Leben eingehaucht wird, ist kein Zufall. Wenn man diesen besonderen Ort betritt, entfernt man sich in Sekundenschnelle von dem regen Treiben draußen und taucht in eine ruhige, lichtdurchflutete Welt ein. Für mich fühlt sich jeder Besuch im Salon Magdalena Bari wie eine meditative Begegnung mit der Schönheit an. Man ist dort, um die Zeit anzuhalten, den Moment zu genießen, ohne Eile, ganz entspannt im geräumigen, geschmackvoll dekorierten Studio, das sofort die künstlerische Neigung erahnen lässt. Denn Kunst ereignet sich auch hier,…
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I believe in Engels
Eine wahre Geschichte Ihr Name beginnt mit dem ersten Buchstaben des Alphabets. A ist der Anfang. Und sicherlich war ihre Patin ein Engel, denn sie wurde Angelina genannt. Zu Beginn des Jahres ist sie die erste Person, über die ich schreiben möchte. Wenn jemand dieses zarte Wesen zufällig auf der Straße trifft, würde er nie vermuten, welche enorme Kraft in ihr steckt. Härte, gepaart mit Sanftheit, zwei zarte, feine Hände, die das Epizentrum des Schmerzes suchen, ihn finden und heilen. Ihr ganzes Wesen, vom Moment an, in dem die Tür sich öffnet und sie eintritt, strahlt ein weiches, weißes Licht aus. Auf diesem hellen Energiepfad, durch diese beiden zarten Hände,…






















