Autor: Neli Peycheva

  • I believe in Engels

    I believe in Engels

    Eine wahre Geschichte

    Ihr Name beginnt mit dem ersten Buchstaben des Alphabets. A ist der Anfang. Und sicherlich war ihre Patin ein Engel, denn sie wurde Angelina genannt. Zu Beginn des Jahres ist sie die erste Person, über die ich schreiben möchte.

    Wenn jemand dieses zarte Wesen zufällig auf der Straße trifft, würde er nie vermuten, welche enorme Kraft in ihr steckt. Härte, gepaart mit Sanftheit, zwei zarte, feine Hände, die das Epizentrum des Schmerzes suchen, ihn finden und heilen. Ihr ganzes Wesen, vom Moment an, in dem die Tür sich öffnet und sie eintritt, strahlt ein weiches, weißes Licht aus. Auf diesem hellen Energiepfad, durch diese beiden zarten Hände, die zu Energiebündeln geworden sind, vollbringt Ani ein Wunder.

    Ihre Hände, die über den Bogen des Schmerzes gleiten, heilen jedes Leiden, nicht nur das körperliche, davon bin ich fest überzeugt. Sie heilen Traurigkeit, Misserfolge, gebrochene Herzen, Verlust des Glaubens, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung… Und wenn man in ihr Gesicht schaut, wird man dort unweigerlich ein Lächeln finden! Während ich mich von ihren Händen neu erschaffen lasse, denke ich daran, wie stark Ani im Geiste ist!

    Ani arbeitet seit 13 Jahren im Salon Beauty in Veliko Tarnovo. Während der kurzen Zeit, in der sie wegen ihres zweiten Kindes im Mutterschaftsurlaub war, habe ich auf Massagen verzichtet – niemand konnte Anis Ausstrahlung ersetzen. Eine wunderbare Spezialistin, mit einem unglaublich aufrichtigen Verhältnis zu den Menschen und ein sehr guter Mensch. Vielleicht deshalb werde ich immer emotional, wenn ich sie sehe: Ihre Güte verbindet sie mit den Menschen durch ein unsichtbares Band. Und wenn ich jemals an Engel geglaubt habe, dann ist sie einer.

    Angelina Kerkenesova arbeitet als Masseurin beim Schönheitsstudio Beauty in Veliko Tarnovo:https://beauty-vt.com/ekip/

    Eure Neli P

    Das Foto zeigt ein Bild von Robert Longo, Albertina 2024

  • „Gar nichts mehr“

    „Gar nichts mehr“

    35 Jahre aktionstheater ensemble. Teil 2. Österreichischer Kunstpreis

    Wir haben versagt

    Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

    In Kooperation mit Theater am Werk und Spielboden Dornbirn

    Premiere am 12. Jänner im Theater am Werk

    Die Begegnungen mit aktionstheater ensemble brauche ich wie die Luft zum Atmen. Jede Inszenierung ist ein einzigartiges Erlebnis, pointiert und punktgenau im richtigen Augenblick, tief in der gegenwärtigen Realität verankert. Mit fulminantem Schauspiel, Tanz, eindringlicher Musik und visuellen Projektionen reagiert das aktionstheater ensemble auch in „Wir haben versagt“ auf zukunftsweisende gesellschaftspolitische Entwicklungen. Es fängt den Puls der Gesellschaft ein und versucht wachzurütteln, provoziert, stellt Fragen, ohne die Rolle einer Moralinstanz einzunehmen. Wie eine läutende Glocke vor herannahender Gefahr, schlägt das aktionstheater Alarm, bevor es endgültig zu spät wird.

    In der Neuinszenierung „Wir haben versagt“ wird auf witzig-amüsante Weise eine Gesellschaft porträtiert, die unfähig ist, zu ihrem eigenen Demokratieverständnis zu stehen. Die großartigen Schauspieler Thomas, Benjamin, Zeynep und Monica zeigen die Wege auf, auf denen sich persönliche Theorien, Fehlentscheidungen, Orientierungslosigkeit und Passivität kreuzen – mit dem Ergebnis von „Volksverblödung“ und einem alarmierenden Rechtsruck.

    Dieser alarmierende Trend stellt jedoch kein rein nationales Phänomen dar. Er erstreckt sich erstaunlicherweise weit über die Landesgrenzen hinaus: In zahlreichen Ländern gerät die Demokratie zunehmend in Gefahr.

    Wir haben versagt (c) Stefan Hauer (4)

    Die Neuauffühung von aktionstheater ensemble zeigt durch eine ironisch-zugespitzte, witzige Coulage eindrucksvoll auf, dass toxische Männlichkeit – in der ein Einzelner, ein Autokrat, gegen demokratische Prinzipien verstößt –, gepaart mit einer Verengung des geistigen Horizonts, desaströse Folgen für die gelebte Demokratie haben kann. Dies wird durch das explosionsartig-hinreißende Schauspiel von Thomas dargestellt.

    Anspielungen auf toxische Männlichkeit, verkörpert durch politische Figuren wie Trump, Putin und Kim Jong-un und gekennzeichnet durch autoritären Führungsstil in vielen westlichen Ländern sowie in Ostasien, werden durch die Videoprojektionen, die die Bühne umrahmen, visuell ergänzt.

    In einer radikalen und symbolischen Geste nutzt Thomas seine Nacktheit, um auf seinen Körper – seinen Penis – hinzuweisen, in einem Akt, den er selbst als „Selbsterniedrigung“ bezeichnet, eine Art „Aufopferung“, stellvertretend für alle. Diese Extremaktion der totalen Entblößung führt er nur dann aus, wenn es die Dramaturgie verlangt – in Momenten höchster Dringlichkeit, voller Aufrichtigkeit, wie der jetzige, um vor der toxischen Männlichkeit und deren Folgen zu warnen und das Verhältnis zwischen Macht und toxischer Männlichkeit in den Vordergrund zu rücken.

    Wir haben versagt (c) Stefan Hauer (2)

    Benjamin, den ich nicht nur als großartigen Schauspieler, sondern auch in seiner berührenden Eigeninterpretation von Jacques Brel’s Songs erleben durfte, zeigt eindrucksvoll, wie mangelndes Interesse am politischen Geschehen, Selbstbezogenheit und das fehlende tieferes Verständnis der Wähler für die Bedeutung von Demokratie das Wahlergebnis in Österreich beeinflussen können: Die „Wahlkabine“ bei der Nationalratswahl, die ihm online Hilfe leisten sollte, hat ihn – ein „Wiener Sozi“ – in die komplett falsche Richtung geführt. Es hat Jahre gedauert, bis endlich seine Partei die Wahlen gewinnen konnte.

    Wir haben versagt (c) Stefan Hauer (3)

    Die hinreißende Zeynep greift das Thema des Wahlergebnisses auf, das einen deutlichen Rechtsruck zur Folge hatte. Sie erzählt auf pointierte Weise, wie solche Entwicklungen entstehen, etwa indem jemand „das X an der richtigen Stelle“ für einen abwesenden Freund setzt, der gerade im Urlaub ist. Ihre Worte werden durch die Projektionen im Hintergrund der Bühne visuell unterstützt, wodurch die Botschaft sich tief einprägt. Als Nächstes schlüpft sie in die zynisch-sarkastische Rolle einer Frau, die im Sinne des „Aufeinandergehens“ „demonstriert, wie sie mit „dem ganz Rechten“ umgehen würde.

    Thomas schildert die bedrückende Stimmung seiner Freunde, die angesichts der aktuellen politischen Ereignisse in Depression verfallen sind. „Gar nichts mehr,“ sagt er resigniert, „keine großen Visionen mehr.“ Diese bittere Schlussfolgerung spiegelt die Hoffnungslosigkeit einer Gesellschaft wider, die sich von ihren demokratischen Idealen entfernt zu haben scheint.

    Monica, die sich nach der Wahl symbolisch dem Schweigen verpflichtet hat als Ausdruck ihrer Resignation, bricht schließlich aus ihrer Stille aus. Bis zu diesem Moment hat sie sich ausschließlich der Gebärdensprache bedient. Ihr Ausbruch aus der Stille ist ein kraftvoller Moment, intensiv und durchdringend – eine starke, gefühlsgeladene Botschaft, die tief unter die Haut geht. Sie offenbart gleichzeitig den Schmerz und die tiefen Risse in einer Gesellschaft, die ihre demokratischen Werte verloren zu haben scheint.

     Zeynep Alan, Monica Anna Cammerlander und Thomas Kolle (v. li.): Wir haben versagt (c) Stefan Hauer (1)

    Unter den eindringlichen Beats von Leonard Cohens „If It Be Your Will“, neu arrangiert und vorgetragen von YOUCANCALLMEO, folgen Monica und Thomas dem Takt des Tanzes, der die Aussicht auf eine düstere, scheinbar aussichtslose Zukunft widerspiegelt. Auf der Projektionsfläche im Hintergrund der Bühne erscheint das Trump-Paar in ihrem triumphierenden Siegestanz. Trist endet diese erschütternde Begegnung mit dem aktionstheater ensemble, begleitet von der hinreißenden Stimme von Danielle Pamp.

    Doch solange diese fulminante Theatergruppe, die sich einer kompromisslosen Aufrichtigkeit verschrieben hat, von der Bühne aus Alarm schlägt, ist es nicht zu spät. Der Moment ist jetzt.

    Danke, aktionstheater ensembe!

    Eure Neli P

    Im Herbst 2025 spielt die mehrfach preisgekrönte Theaterkompanie vor dem New Yorker Publikum.

    Cast & Crew:

    Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Bühne/Kostüme: Valerie Lutz | Video-Installation: Resa Lut | TikTok: Julius Hellrigl | Musik*: YOUCANCALLMEO(Jean Philipp Oliver Viol) | Regieassistenz: Sanna Hufsky | Medienkontakt: Gerhard Breitwieser

    Mit: Zeynep Alan, Monica Anna Cammerlander, Thomas Kolle, Danielle Pamp, Benjamin Vanyek sowie Jean Philipp Oliver Viol 

  • Wiener Walzer

    Wiener Walzer

    Aus dem Alltag einer Lehrerin #1

    „…und der Lehrer zeigte seinen Schülern den Walzerschritt…“

    „Wisst ihr, was ein Walzer ist?“
    „Nein. Was Walzaa?“
    „Das ist ein Tanz, Musik! Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei…! Jeder, der in diesem Land lebt, sollte den Walzerschritt beherrschen – den WIENER Walzer. Schaut mal her, es ist wirklich nicht schwer!“ (Und ich zeige ihnen einige Schritte, genau wie der Lehrer in der Geschichte.)
    „Waaalzaaaa?“ – Alle Blicke sind auf mich gerichtet, die Verwirrung ist groß. Dann drehe ich meinen Laptop zu ihnen und spiele ein Video vom diesjährigen Wiener Opernball ab.
    „Ja, Walzer! Man tanzt ihn zu festlichen Anlässen, wie zum Beispiel auf einem Ball wie diesem!“
    „Ball??? Fußball?????“
    „Nein! Auf einem echten Tanzball, und der ist nicht rund! Auf einem Ball in einem prächtigen Saal, wie in den Märchen von Prinzessinnen und Palästen, zum Beispiel auf dem Wiener Opernball in der Hofburg! Wenn ihr die Schule beendet, werdet ihr auch auf einen solchen Ball gehen, und ihr werdet tragen…“
    „Kleid weiß? Schöne? Wiiiir???“
    „Ja, lange weiße Ballkleider für die jungen Damen und einen schwarzen Anzug wie diesen hier für die Herren.“ (Ich deute dabei auf das Video.) „Amjad, hast du einen schwarzen Anzug zu Hause?“
    „Anzüüüg? Nein! Ich Anzüg kaufen???“
    „Nein, nicht jetzt, mein Lieber. In acht Jahren, wenn du die 12. Klasse abgeschlossen hast. Wie nennt man das nochmal?“
    „Anzug!“
    „Ja, genau!“
    „Und das hier auf dem Bild bin ich auf einem Ball in einem Ballkleid.“ (Ich zeige auf ein Foto auf meinem Handy.)
    „Frau Lehrerin, das Sieeeee??? Kleid rot??? Sehr schöööön!!!“
    „Ja, da ich schon lange mit der Schule fertig bin, trug ich ein rotes langes Kleid und kein weißes. Wenn du 18 wirst, schenke ich dir mein rotes Ballkleid!“
    Plötzlich herrscht Stille, eine ungewöhnliche Stille, ganze drei lange Sekunden. Das Einzige, was ich in der Stille noch wahrnehmen kann, sind die funkelnden Augen.

  • „ALL ABOUT ME. KEIN LEBEN NACH MIR“

    „ALL ABOUT ME. KEIN LEBEN NACH MIR“

    Aktionstheater ensemble feiert sein 35. Jubiläum mit der Neuaufführung „ALL ABOUT ME. KEIN LEBEN NACH MIR“

    Die Neuinszenierung ist noch vom 09. bis 15. Juni im THEATER AM

    WERK in Wien zu sehen

    Aktionstheater ensemble brauche ich wie die Luft zum Atmen. Wenn es zu eng wird, gehe ich ins Theater, um mir wieder Luft holen zu können.

    An diesem warmen Juniabend fällt die Wetterprognose im Theater am Werk in Wien nicht so optimistisch aus: Die dunklen Regenwolken von den Wandprojektionsflächen, die die Bühne umgeben, deuten wohl auf düstere Zeiten hin. Vor schlechten Prognosen habe ich keine Angst, viel mehr fürchte ich jenen Zustand, in dem man so tut, als ob alles nur Sonnenschein wäre.

    Das aktionstheater ensemble, eine Institution, die für ihre tiefgründige und provokative Bühnenkunst bekannt ist, feiert sein 35-jähriges Bestehen mit einer Neuaufführung, die den Titel „ALL ABOUT ME. KEIN LEBEN NACH MIR“ trägt. Diese Inszenierung, deren Premiere am 08. Juni im Theater am Werk in Wien stattgefunden hat, ist ein Zeugnis für die anhaltende Relevanz, Brisanz und die Innovationskraft des mehrmals preisgekrönten Ensembles. Die Aufführung stellt eine Reflexion über das individuelle und kollektive Dasein dar, indem sie die Zuschauer dazu einlädt, über die Bedeutung des Selbst, verwickelt in selbstgesponnenen Analysen, in einer zunehmend komplexen Welt nachzudenken, in der das Miteinander scheitert. Mit einer Mischung aus Humor, Selbstironie und Ernsthaftigkeit erforscht das Stück die Eitelkeit der menschlichen Natur und unsere Reaktionen auf die Herausforderungen des gesellschaftspolitischen Lebens. Es ist eine Auseinandersetzung mit der Einsamkeit, der Selbstbezogenheit und der Suche nach Bedeutung in einer Zeit, in der der kollektive Zusammenhalt mehr denn je zu zerfallen scheint. Die Darbietung, die sich durch eine intensive Bühnensprache, in der Wort, Tanz und Rhythmus ineinander fließen, auszeichnet, lädt dazu ein, die eigene Position in der Welt zu hinterfragen, indem sie einen Raum für Selbstreflexion schafft. In einer Zeit, in der Europa vor wichtigen Wahlen steht und die Gesellschaft verzweifelt nach Zusammenhalt sucht, bietet das aktionstheater ensemble mit seiner Jubiläumsaufführung einen Blick auf unsere Gegenwart – verwirrt, verstört, echt. Es ist eine Erinnerung an die wichtige Funktion des Theaters als mächtiges Medium für sozialen und politischen Diskurs. Die Aufführung „ALL ABOUT ME. KEIN LEBEN NACH MIR“ ist somit eine Momentaufnahme der Gesellschaft und zugleich ein Nicht-Aufgeben-Wollen der Hoffnung auf ein Miteinander in einer gespaltenen Welt.

    „Es vermisst mich niemand“

    hallen in uns Benjamins Worte wider. „Ich bin eine kleine Künstlerin“, fügt Kirstin hinzu. Jeder möchte wahrgenommen werden und jeder ist nur an sich selbst interessiert. Dennoch spürt jeder diese völlige Isolation und Trennung von anderen. Sechs fantastische Schauspieler auf der Bühne, die wir von früheren Auftritten bestens kennen, alle in Maleroveralls gekleidet, entführen uns in eine Welt, in der die Maßstäbe von „klein“ und „groß“ völlig verschwimmen. Eine Welt, die uns doch sehr vertraut vorkommt und in der auch in der Kunst das Profane den Vorrang gewinnt, wie etwa im Beispiel mit Andreas‘ Rolle als der „Lebkuchen-Mann“. Oder wo nur „hohe Kunst“ besondere Aufmerksamkeit verdient. Die Welt, die nämlich neu erschaffen, in neuen Farben bemalt werden muss – unsere Welt. Sechs Schauspieler – „Maler“ – bewegen sich rhythmisch auf der Bühne, ein paar Schritte vorwärts, dann wieder einer zurück, ganz wie im wirklichen Leben. Ängstliche Blicke schweifen umher, Arme umschlingen sich in einer Selbstumarmung. Die Rastlosigkeit korrespondiert mit dem Nicht-Aushalten-Können der Situation.  Und alles beginnt wieder von vorne…

    ©anja koehler

    „Alles ist persönlich“

    Sei es Kirstins naiver Wunsch, wieder einmal ein Kind sein zu dürfen, Tamaras Neurosen und Schrecken bei der Aussicht, auf dem Wiener Friedhof neben Nazis in einem Grab zu liegen, Isabellas Beobachtung, dass Politiker „so gut im Lügen sind“, oder die Schlussfolgerung von Andreas, dass „die Thematiken der Kompanie sich geändert haben – das Karussell verschiedenster Wahrnehmungsmuster dreht sich weiter. Rote Clownnasen erinnern uns daran, dass wir alle ein Teil der „Show“ sind. Sie spielt sich allerdings nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der realen Welt ab. Auch dieses Mal werden brennend aktuelle Gesellschaftsproblematiken in die Aufführung des aktionstheater ensemble eingewoben, die über die rein persönliche Dimension hinausgehen: Die Angst davor, ein „geklontes Selbst“ zu zeugen, dem dann jegliche Autonomie verweigert würde, unser ins Wanken geratenes Demokratieverständnis, das Verhältnis von Politikern zur Wahrheit…. Das Gesellschaftspolitische greift ins Persönliche hinein und umgekehrt, und alles wird persönlich. Denn „alles ist persönlich“.

    ©anja koehler

    Das Nicht-Aushalten-Können

    der derzeitigen Situation, das rastlose Hin- und Herschreiten der Darsteller, musikalisch begleitet durch die Beats der großartigen Band von dem Hintergrund der Bühne, lassen doch auf mögliche Veränderung hoffen. Auch das Leiden sucht seinen Weg nach außen. Anhand einer Theaterübung zeigt uns Tamara vor, wie man den aufgestauten Schmerz doch rausschreien kann – voller Wucht, von innen heraus. In der Schlüsselszene erklärt Isabella, wie man Umarmungen richtig gibt – sowohl denen, die noch da sind, als auch jenen, die bereits gegangen sind. Eine Umarmung darf ruhig länger dauern, sagt sie. Man muss eine Umarmung aushalten können. Dieses rührende Bekenntnis leitet über zum Song „Gone“ vom Album „Lonely Ballads“. Die Beats dringen tief unter die Haut und bieten in der Tiefe des Selbst viel Raum für Interpretationen. Aufrichtigkeit trifft auf Aufrichtigkeit wie bei jeder Interaktion mit dieser wunderbaren Theaterkompanie, die sich der Wahrheit verschrieben hat.

    Mit dem Bild von Isabellas Umarmung – und all den Umarmungen in meinem Leben, die ich nur lange genug aushalten musste, um sie wirklich zu spüren – verlasse ich den Saal. Das Publikum verabschiedet sich mit Standing Ovations. Danke, aktionstheater ensemble!

    Eure Neli P

    Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber, aktionstheater ensemble und Wolfgang Mörth | Dramaturgie: Martin Ojster | Musik: Andreas Dauböck | Bühne/Kostüme: Valerie Lutz | Videoinstallation: Resa Lut | Regie-Assistenz: Sanna Hufsky | Medienkontakt: Gerhard Breitwieser Mit: Isabella Jeschke, Andreas Jähnert, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek sowie Live-Musik: Andreas Dauböck, Ernst Tiefenthaler, Emanuel Preuschl​​​​, Jean Philipp Viol im Theater am Werk, Kabelwerk (Oswaldgasse 35a, 1120 Wien)

    Kartenvorverkauf: reservierung@theater-am-werk.at, T +43 1 535 32 00, www.theater-am-werk.atwww.aktionstheater.at

    Mit dem Regisseur Martin Gruber und den fantastischen Tamara Stern und Kirstin Schwab…

    im Theater am Werk
  • Ein ganz normales Österreich

    Ein ganz normales Österreich

    Vom 13.01.2024 bis 20.01.2024 hat aktionstheater ensemble

    das Österreich-Bild im Theater am Werk in Wien infrage gestellt und somit die gegenwärtige Debatte um „die Normalität“ in den Vordergrund gerückt.
    Die Erstaufführung „Alles normal“ – irrwitzig, berührend, zutiefst erschütternd –  bietet wertvolle Einblicke in ein „ganz normales Österreich“.
    „Alles Normal“. Ein Salon d’amour Stück. Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble.
    In Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Theater am Werk.

    Wenn jemand ein fehlerloses, feines Gespür für die Absurditäten um uns herum hat, dann der Regisseur Martin Gruber und seine vielgekrönte Theatertruppe aktionstheater ensemble. Bei keiner anderen Theatertruppe ist die subversive Funktion der Kunst als gesellschaftlichen Barometers so intensiv, so eindrucksvoll zu spüren. Die Lenkung unseren Blicks auf die Wundstellen der Gesellschaft – die Konfrontation mit dem Verstellten, Unechten, mit der Schein-Welt – erfolgt auf der Bühne dermaßen wirkungsvoll, provokant und witzig, beginnend beim eigenen Selbst, dass uns die Begegnungen mit aktionstheater ensemble in Wien jedes Mal ein bisschen näher an einen bewussteren Umgang mit der Realität, in der wir leben, bringen. Nie verlassen wir den Saal so, wie wir ihn anfangs betreten haben. Jedes Mal nehmen wir ein bisschen mehr von einem tieferen Verständnis mit, wo wir sind, was eigentlich los ist, wohin uns der Narzissmus treibt, warum unser Demokratieverständnis versagt… Und wenn die Versuche danach, auch draußen nach diesem Mehr, das uns das Aktionstheater anbietet, zu suchen, oft scheitern, dann weil wir uns von der Kunst, aber auch von uns selbst nämlich genau das erwarten – ein Mehr. Wir suchen nach dem Mehr. Nach mehr Möglichkeiten, zu intervenieren, nach dem Mut, unsere Demokratie zu verteidigen, nach unseren Mitmenschen, nach Gleichgesinnten. In einem Gespräch nach der Aufführung am letzten Spieltag erzählte mir der Regisseur Martin Gruber, wie viele Menschen sich bei ihm und der Theatertruppe bedankt haben, dass sie sich nicht mehr allein fühlen.

    Dieses Mal versetzt uns aktionstheater ensemble in die angenehme Ambiente-Atmosphäre des Salon D’Amour: Auf der Bühne sind runde Tische aufgestellt, das Publikum wird mit Schnaps von den Darstellerinnen bewirtet, und im Hintergrund links spielt das Salon-Orchester. Von den Projektionsflächen um die Bühne herum blicken die Heimatberge.

    Das Unterhaltungsprogramm, das von Babett in der Rolle der Moderatorin als „knisternd erotisch“ und „peinlich asozial“ angekündigt wird, wirft die Frage auf, wie wir mit den großen Umwälzungen auf der politischen Bühne umgehen, die uns bevorstehen – den Wahlen im Herbst. Neben „Mut und Zuversicht“ ist angesichts der Perspektive auf ein 4. Reich noch die Rückbesinnung auf „das Gute und Schöne“ gefragt. Wie das genau zu verwirklichen wäre?

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    „Glaub an dich!“

    Ganz normal, in dem man sich wie Isabella „befreit“! D.h. sich von den schlechten Nachrichten abwendet und auf die eigene Schönheit voll konzentriert. Da dürfen auch Momente der Selbstverherrlichung und -verliebtheit sowie Beweise für die eigene Perfektion – Selfies! – nicht fehlen. Ganz wichtig bei diesem mühevollen Unterfangen scheint die Seelenarbeit zu sein, die zu leisten ist: Sie ist auf das Schließen von Lücken in der Aura gerichtet. Selbstverständlich, indem man den Schritt ins Esoterische wagt! Profitipps in dieser Hinsicht hätte Thomas parat: Mit Bergkristallen und Alumatten unter dem Bett könnte man schon einige Mängel auch auf der Seelenebene ausloten. „Glaub an dich!“ ist die Parole, die uns von den Projektionsflächen erreicht.

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    „Erleben, was verbindet.“

    Michaela richtet den Blick auf ihre zahlreichen Talente und somit – auf das verbindende Gemeinschaftsgefühl. In vielen Sachen ist sie gut, am besten punktet sie aber, wenn sie sie ganz alleine bewältigt. Als Kellnerin, Deutschlehrerin, Schauspielerin, beim Spielen von Computerspielen etc. verzeichnet sie „lauter Rekorde“. Dabei lernt sie so vieles! Soft Skills wie richtige Kommunikation oder wie ein Team richtig funktionieren sollte, das erlebt sie vor allem in Computerspielen: „Overcooked!“ spielt sie etwa am liebsten allein, nur dann ist sie immer unschlagbar und kann die maximale Punktzahl erreichen.

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    “We love to entertain you.”

    Mit dem Gedicht „Es ist normal…“ führt Elias Hirschl die brutale, paradoxe, inhumane Seite der vorgegaukelten traditionsverbundenen und daher nie infrage gestellten „Normalität“ ein. Die von ihm im Laufe des Abends vorgetragenen Texte gehen einem unter die Haut, rütteln wach. Unter der Wirkungskraft dieser direkten, sich gradierenden Konfrontation mit dem gesprochenen Wort wird das sich bis vor Kurzem vor Lachen zerkugelnde Publikum auf einmal ganz still. Eine ganze Österreich-Landschaft – von der blutigen Schweineschlacht über die gekochten Leberknödel, die rechts oder links vorne gebundenen Dirndlschürzen mit ihrer eindeutigen Botschaft bis hin zum frommen Gebet vor dem Essen, wenn das Schwein aufgetischt wird – breitet sich vor uns aus. „Es ist normal…“, donnert Elias Stimme im Saal. „Es ist normal, wenn das Kind etwas abgehärtet wird…“, schneidet er die Stille durch. „Es ist normal, nicht mehr geliebt zu werden“, klingt es im Publikum nach…

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    „Je konservativer die Gesellschaft, desto größer die Brüste.“

    Bei der Diskussionsrunde, die sich als Nächstes um die Größe von Thomas‘ „Zipferl“ herum entfacht und in eine allgemeine Diskussion über die Größe der weiblichen Brüste und des männlichen Attributs als Maßstäbe für die österreichische Gesellschaft übergeht, kann das Publikum sein Lachen kaum unterdrücken. Ein interessanter Einfall bringt Tamara ein: Die Penisgröße mit Euro-Münzen zu messen! Es folgt eine Abstimmung seitens des Publikums. Mit Hoch- bzw. Tiefsummen wird über die Normalität von Thomas‘ Penisgröße entschieden. Wie im Parlament, mit der österreichischen Flagge in der Hand – da es ja um Österreich-relevante Themen von äußerster Priorität geht.

    Auch den Klimawandel wird von Zeynep angesprochen, kurz und nur beiläufig, denn das ist ja „wurscht, egal jetzt“. Das Interesse der Gesellschaft gilt offenbar anderen Themen.

    „Wenn du kein Österreicher, nicht normal.“

    Beim Gedichtevortragen hebt das von Tamara präsentierte Gedicht die unterschiedliche Herkunft als Maßstab für Normalität bzw. für die Teilung der Gesellschaft in normal / nicht normal hervor. Somit zeigt sie uns einen der gängigsten Wege für Entstehung von Vorurteilen auf. Und wie bei allen vorurteilhaften Einschätzungen wird auch hier mit zweierlei Maß gemessen. Normal ist das Übliche, das Einheimische, das Bekannte, dafür findet man immer eine Rechtfertigung. Der Rest gilt als fremd und daher nicht normal: „Wenn du kein Österreicher, nicht normal.“ Tamara lässt während dieser Aufführung ihre eindrucksvolle Stimme öfter als Sängerin hinter dem Mikro erklingen. Ihr Gedankengang wird von Zeynep aufgenommen und weitergetragen: „Ewig Pole sein. Ewig Polin sein…“ Dabei begegnet uns von den Projektionsflächen um die Bühne herum den Namen Herbert K… im Vorbeilaufen.

    Der Abend, musikalisch von dem großartigen Orchester unterlegt, klingt nach:

     „Take this waltz […],  this waltz, this waltz,

    with it’s very own breath of brandy and death […],

    and I’ll dance with you in Vienna…“

    Ein großes Lob gilt auch den fantastischen Darsteller:innen, die die Schauspielkunst auch dieses Mal in eine neue Dimension gebracht haben, dem Regisseur Martin Gruber für die Tiefe der Auseinandersetzung mit dem Thema sowie dem Dramaturgen Martin Ojster für seinen besonderen Blick und das feinen Gespür fürs Detail.

    Wir, das treue Publikum, verlassen den Saal, innerlich durchfühlt, dankbar, für diese großartige Begegnung, die uns schon wieder eine Mutprobe gekostet hat, stellen schon jetzt neugierig die Frage, wann die nächste Prämiere kommt, und berechnen die Zeitspanne, die bis dahin zu überbrücken ist. Dieses Jahr feiert aktionstheater ensemble sein 35-jähriges Bestehen. Schon stolze 35 Jahre schwört es uns Treue, bleibt am Puls der Zeit und stellt für uns die unbequemen Fragen unserer Gegenwart. Es scheint doch nicht alles so hoffnungslos zu sein. Solange wir uns Fragen stellen, imstande sind, kritisch zu reflektieren und es auch wissen: Wir sind nicht allein. Wir sind nicht allein!

    Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und aktionstheater ensemble sowie Elias Hirschl, Wolfgang Mörth u.a. | Dramaturgie: Martin Ojster | Regie-Assistenz: Manuela Schwärzler | Bühne/Kostüme: Valerie Lutz | Video: Resa Lut | Medienkontakt: Gerhard Breitwieser

    Mit: Zeynep Alan, Babett Arens, Michaela Bilgeri, Monica Anna Cammerlander, Atanas Dinovsky Elias Hirschl, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Lisa Lurger, Daniela Neuhauser, Gidon Oechsner, Daniel Schober, Tamara Stern

    Eure Neli P

  • Sing, Lola Blau!

    Sing, Lola Blau!

    Am 22.10.2023 zeigte *STERNE REISSEN* in Koproduktion mit dem Off-Theater, Wien das Ein-Frau-Musical des Satirikers Georg Kreisler „LOLA BLAU“.

    Szenische Regie: ERNST KURT WEIGEL

    LOLA BLAU: TAMARA STERN

    Klavier: MARCELO CARDOSO GAMA

    Kontrabass: MATHIAS KRISPIN BUCHER

    Vor ein paar Wochen bin ich ihr begegnet – im Theater. Seitdem höre ich ihre Stimme immer wieder, ich höre sie tagtäglich, ich stoße auf sie zufällig beim Spazierengehen im Park, sehe sie, wenn ich, gefesselt von den in der Wärme meiner Hände auftauenden Schneeflocken, stehen bleibe und die Welt innerhalb von ein paar Sekunden ihre Umrisse ins Zeitlose verschwimmen lässt, wenn ich kurz vor dem Weihnachtsbaum halt mache, und meinen Blick nach oben, auf den leuchtenden Weihnachtsstern richte, wenn ich abends nach dem Abendstern unter den sich tummelnden Wolken suche – nach einem ruhigen Zufluchtsort, wo man, im grandiosen kosmischen Chaos, den Anker auswerfen kann. Lola Blau lebt. Seit ich das erste Mal ihre Stimme von der Bühne hörte, ist sie so real, dass es mir schwer fällt, über sie zu schreiben, wenn ich sie so intensiv präsent spüre. Manchmal denke ich mir, ich bin sie, und sie ist ich – ich trage eine Lola Blau in mir.

    Seit ich ihr im Off-Theater begegnet bin, verbinde ich sie allerdings mit einem Stern. Und er hat einen Namen. Tamara. Tamara Stern.

    Seit der Uraufführung in den 1970-er Jahren ist das „Musical für eine Frau“ von Georg Kreisler ein Dauerbrenner auf den Bühnen in den USA und Europa. Seit 2006 steht Tamara Stern auf der Bühne in der Rolle von Lola Blau und, wie sie es selbst zugibt, sie liebt dieses Stück. Dieses Mal war ihr aber nicht danach, die Welt draußen hatte auf einmal die erfundene drinnen, auf der Bühne, durch ihre erschütternde Grausamkeit überschattet, und doch hat sie ihren ganzen Mut aufgebracht und sich vor das Publikum gestellt. Traurig und innerlich durchwühlt, witzig und frech, fordernd und sich in sich zurückziehend erzählte sie uns eine Geschichte über die Fremde und das Gespür für das Eigene: „Man spürt seine Wurzeln nirgendwo so intensiv wie in der Fremde.“ Über das Gefühl des Alleinseins, das hervorgerufen wird, wenn man „plötzlich niemand fühlt“, singt sie, über das Zuhause, dass man niemals hat; gibt witzige Tipps, was man den Männern unbedingt sagen muss – „dass sie klug sind“ –, und fabuliert, was es wäre, „wenn man noch einmal erwachen könnte“, diese wunderbare, verletzte und zugleich unglaublich starke Lola Blau!

    Nicht selten fühlt sich die Schauspielerin jüdischer Herkunft wie ihre Protagonistin, die junge jüdische Schauspielerin Lola Blau. Nachdem ich Tamara Stern als Lola Blau gesehen und erlebt habe, fühle ich mich von ihrem Schauspiel dermaßen überwältigt, dass auch ich mich mit Lola Blau gleichsetze – mit ihrem Schmerz, ihrer Melancholie und ihrem Mut. Neulich erwische ich mich immer öfter bei der Frage: Stellt nicht Lola Blau ein Sammelbild dar? Einen Namen mit vielen Gesichtern. Frauen, deren Stimme trotz der Schicksalsschläge nie verstummt. Und sie alle zeichnen sich durch ein feines Gespür für die Ungerechtigkeit aus. Ist nicht Lola Blau eine jede von uns?

    1938 flieht Georg Kreislers Lola Blau vor den Nazis und verlässt Wien. Ihr Weg führt in die Schweiz und von dort aus nach Amerika, wo sie als Schauspielerin auftritt. Als sie nach dem Kriegsende zurückkehrt, muss sie leider feststellen, dass sich wenig geändert hat. Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein.

    Das Grausame an der Geschichte ist, dass sie sich wiederholt. Das Traurige an unserer Gegenwart ist, dass weder Friedenskämpfer, noch Nobelpreisträger, noch Wissenschaftler, noch die größten Denker unseres Jahrhunderts das Schlimmste verhindern konnten. Und dass somit die Evolution völlig geleugnet wird, wenn wir die Aggression als menschliche Komponente doch nicht überwinden können, trotz geistiger Höhenflüge und technischen Fortschritts. Die Menschheit rottet sich mit der gleichen Brutalität aus wie vor Jahrhunderten. Der Schmerz von Lola Blau wird immer intensiver, lässt nicht nach. Der kollektive Schmerz vermehrt sich, statt sich zu vermindern. Und da werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach den Evolutionsbiologen recht geben, dass die Menschheit in 100 Jahren ausgestorben sein wird. Wenn ich allerdings an etwas glaube, dann an die Kunst als letzte Instanz der Menschlichkeit. Daran will ich glauben, weil ich es brauche. Ich will glauben, dass ihre Stimme nie verstummt.

    Sing, Lola Blau, sing! Solange du singst, ist noch ein Funken Hoffnung auch für mich da, und ich singe mit.

    Deine Neli P

  • Aggregatzustand Klimek

    Aggregatzustand Klimek

    „Ich bin niemand“, sagte ich, „hier kennt mich keiner.“
    „Sie sind nicht niemand. Mir kann nicht niemand schreiben.“

    Manche Legenden bekommen ihren Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood, nach anderen werden Straßen, Parks, Institutionen, gar Schiffe benannt. Das, worum es hier geht und was am besten zu seinem Namensgeber korrespondieren würde, ist allerdings ein Aggregatzustand – weder fest, noch flüssig, noch gasförmig, sondern explosionsartig! –  der Aggregatzustand Klimek.

    Zumindest so hat er auf mich gewirkt, als ich ihn vor geraumer Zeit nicht woanders, sondern im „Freiraum“ in Wien traf. Kein Zufall, auch der Name des Lokals versinnbildlicht einen Teil dieser unübersehbar vielschichtigen Persönlichkeit. Denn Manfred Klimek braucht seinen Freiraum und würde ihn sehr wohl niemandem, unter keiner Bedingung abtreten – eine der Sachen wegen derer ich ihn mag.

    Vor unserem Treffen wurde ich gewarnt: dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt, eventuell könnte ich was hören, was mir nicht so gut gefallen könnte, dass ich im schlimmsten Fall auch „angespuckt“ werden könnte:-)), – etwas, mit unvorhersehbaren Folgen also stand mir bevor, was mich noch neugieriger auf die Begegnung machte. Wovor hätte ich Angst haben können?[1] Vor der Aufrichtigkeit im Austausch mit einem Anderen? Niemals.

    Ich ging hinein, und er saß schon da. So, wie ich ihn damals erlebte – ein aufgeregter, lebendiger, explosionsartiger Ball, voller Eindrücke und Emotionen, reich an Geschichten und Erfahrung, vehement die eigene Meinung verteidigend – voller Elan und Begeisterung! –, kann ich ihn nichts anderem gleichsetzen außer einem noch nie zuvor existierenden, mit nichts anderem zu vergleichenden Aggregatzustand – Klimek. Einer der offensten, aufrichtigsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Künstler und Autor. Souveräner Krieger, der sich nicht scheut, die Unantastbarkeit seiner eigenen Meinung zu verteidigen, der sich den Luxus gönnt, sich hinter seine Worte zu stellen – egal, wie die bei den Anderen ankommen. Ich denke eh aber nicht, dass er sich mal in die hohe Kunst der Diplomatie versuchen würde, weil es weder seiner Grundeinstellung noch seinem Lebensziel entsprechen würde. Aufrichtigkeit voll und ganz. Es werden keine Schmeicheleien, keine „weißen“ Lügen erzählt – es ist, wie es ist. Bei ihm weiß man, woran man ist. Wer hätte schon den Mut, seine Wahrheit auszusprechen?

    Manfred Klimek in der Kolonie 5. Bild: Neli Peycheva

    Auf der ihm gewidmeten Ausstellung in der Galerie Kolonie 5 ist er nicht persönlich erschienen. Doch seine explosionsartige Ladung ist in allen Bildern an den Wänden zu spüren. Ich war dort und habe es selbst erlebt. Schon beim Betreten des Raumes wird man von den vielen da anwesenden Geistern überwältigt, ich habe Gänsehaut bekommen – Momentaufnahmen des kaum Fassbaren, des Besonderen. Das Interesse eines Künstlers, habe ich neulich bei Ayn Rand  gelesen, gilt der Kunst an sich, nicht den Reaktionen der Anderen, und genau das macht einen zum Künstler, unterscheidet Kunst von der Metaebene, auf der über Kunst gesprochen, aber keine Kunst erschaffen wird. Mit seinem Nicht-Erscheinen hat uns der Künstler vielleicht eben das gezeigt?

    Als er nach Berlin endgültig abreiste und sich von Wien Abschied nahm, habe ich es zuerst in der Atmosphäre draußen gespürt – im Aggregatzustand. Es war nicht mehr so verdichtet, wie früher, sondern eher farblos, abgewaschen, öde. Doch ab und zu spürt man – bei seinen kurzen Wien-Besuchen, dass sich doch wieder was tut, und die Luft mit Elektrizität geladen wird. Manfred Klimek eben.

    Natürlich weiß ich nun nicht, wie mein Text bei ihm ankommt. Wovor soll ich aber fürchten? Vor der Aufrichtigkeit? Also: Es sind meine Worte und ich stehe dazu – habe es nämlich von ihm gelernt. Außerdem bin ich ja eine Bulgarin!


    [1] „Wovor haben Sie Angst? Sie sind doch eine Bulgarin!“ habe ich  übrigens erstmals 2018 von einem anderen Manfred – Manfred Rebhandl gehört! Seit dem Moment denke ich intensiv darüber nach! Wort!

  • Das Leben ist lebenswert

    Das Leben ist lebenswert

    „Wie alt schätzen Sie mich? Sagen Sie mal!“

    „70.“

    „Nein! Ich bin 86! Keine Medikamente, keine Therapien, fühle mich topfit.“

    So komme ich ins Gespräch  mit der Dame, die auf der Bank neben mir vor der Kaiservilla sitzt. Mit ihrem geblümten rosa-hellgrünen Kleid mit Puffärmeln fällt sie sofort ins Auge. Ich mache ihr ein Kompliment. Sie bedankt sich strahlend und nimmt ihre Sonnenbrille ab. Ich hingegen blinzle gegen die Sonne, da ich meine vor ein paar Wochen in Sevilla verloren habe, das macht mir aber nichts aus, ich genieße es.

    Dann erzählt sie mir, dass sie auf ihre Familie warte, ist aber als Erste losgegangen, um sich von alldem Vorbereitungsstress vor dem Fortgehen zu schonen. Vor der Kaiservilla in Bad Ischl findet gerade ein Weinfest statt. Alkohol hat sie nie im Leben getrunken. Es wundert sie sehr, wenn sie die jungen Mädels betrachtet, die gar nicht auf die Figur aufpassen, so was wäre für sie unzulässig – woraufhin sie sich aufrichtet und mir ihre Figur vorzeigt. Sie ernährt sich ausschließlich gesund. All die Würsteln, die an den Ständen rund herum angeboten werden und so unwiderstehlich riechen, interessieren sie nicht. Da bin ich am heutigen Abend also nicht allein! Sie trinkt höchstens – so, wie ich – ein Mineralwasser. Und auch wenn sie mal samstags zum Zauner geht, oder unter der Woche, wie gestern, als sie ein wunderschönes Dirndl getragen hat, bestellt sie nichts zum Essen, sie nimmt nur einen Tee. Da ist ja so viel Fett drinnen, in all diesen süßen Versuchungen! Ich erzähle ich von meinem Fasten, wie ich feststellen musste, dass Essen nur eines von vielen ist, die wir „Nahrung“ nennen, viel mehr brauche ich Sonne, Wind, Regen, Luft, Schlaf… Da stimmt sie mir völlig zu.

    Uns vereint auch die Liebe für die Schauer Mode, den Designer, von dem ich mir letztes Jahr das Sisi-Dirndl gekauft habe. Dort kauft sie auch regelmäßig ein.

    „Beobachten Sie die Männer!“, ruft sie mir zu. Von allen Anwesenden hat sie keinen einzigen Attraktiven gesehen. Nach 30 min kann man zusehen, meint sie, wie sie sich wankelnden Schrittes auf den Weg nach Hause machen, der Bierbauch allem voran. Bei dem Bild muss ich schmunzeln.

    Wie denkt sie über die Lederhose? Wenn ein Mann eine gute Figur hat, einen flachen Bauch, muskulösen Körper, gut gestylt und gepflegt ist, und dazu noch ein Messer hinten eingesteckt ist, dann sieht er selbstverständlich auch in einer Lederhose gut aus! Ihre Ansprüche sind hoch, gibt sie zu, und gesteht mir, so nebenbei, dass sie einen Freund hat – wenn sie ihn anruft, kommt er, wenn sie ihn nicht anruft, kommt er nicht. „Ein Mann auf Bestellung!“, lächele ich ihr zu. Schön, nicht?

    Dass Männer heutzutage nicht monogam sind, weiß sie ganz gut. Auch ihr Freund trifft andere, jüngere Frauen, wenn er aber zu ihr kommt, gehen beide in die Sauna und er ölt sie ganz schön ein, vom Kopf bis zu Fuß, danach macht er eine Flasche Champagner auf und sie genießen den schönen Ausklang des Abends.

    Diskriminierung ist nach wie vor aktuell, ist sie ganz meiner Meinung. Frauen verdienen nach wie vor um die 30% weniger als Männer.

    Was will ein Mann? Angebetet werden! Bestätigung für seine Einzigartigkeit! Aber wie geht das, wenn Frauen häuig mehr, viel mehr als Männer leisten und größere Erfolge erzielen?

    Ich frage sie, wie das Gefühl ist, hier, an diesem bezaubernden grünen und ruhigen Ort geboren und aufgewachsen zu sein. Wunderschön! Ihr Rezept für Jungsein? Kein Jammern, immer positiv bleiben.

    Ob sie vielleicht Angst vor dem Tod hat? Überhaupt keine. Weil sie ein schönes erfülltes Leben hinter sich hat. Irgendwann bleibt das Herz einfach stehen. Was sie sich für die Zukunft wünscht? Bis 90 am Leben zu bleiben. Denn das Leben ist lebenswert.

  • Wenn im Raum, genannt Mikrowelt, die Hysterie die Oberhand gewinnt

    Wenn im Raum, genannt Mikrowelt, die Hysterie die Oberhand gewinnt

    Morbus Hysteria. Wir haben alle recht

    Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

    In Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz. In Kooperation mit Werk X. In Wien noch am Sa. 3. Juni und So. 4. Juni jeweils um 19:30 Uhr im Werk X, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien zu sehen.

    Wie in allen bisherigen Aufführungen vom mehrfach preisgekrönten aktionstheater ensemble, das ich seit 2018 begleite, geht es auch bei der Neuinszenierung Morbus Hysteria um einen Paradigmenwechsel. Deutungsversuche, Wichtigtuerei, Belanglosigkeit – Phänomene der Einkapselung in der kleinen eigenen Welt werden witzig-ironisch und pointiert zur Schau gestellt.

    „Wie betreten den Raum!

    Mit diesen Worten treten Thomas und Kirstin auf die Bühne auf, ihre Schritte sind vorsichtig, ängstlich erforschen ihre Blicke die Umgebung, betasten den Raum, der, wie sich später herausstellt,  ihre kleine Mikrowelt, in der jeder befangen ist, symbolisieren soll. Die Farben auf der Bühne sind schwarz-weiß, Schwarz-weiß tragen auch die Darsteller:innen. Die Projektionswänden rund herum spiegeln Bäume wider – Die grünen Wälder Österreichs? Die österreichische Gesellschaft selbst, in der Funktion des teilnahmslosen Zuschauers? -, durch die ein leichter Wind weht; sie umgeben die Bühne, einem Schutzzaun ähnlich, und werden Zeugen von dem, was sich da gerade ereignet.

    Typisch österreichisch: Jeder hat den eigenen Rhythmus

    Gleich zu Beginn wird das Thema über die interkulturelle Kulturvermittlung und den Deutschunterricht für Migrant:innen eröffnet, und in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt, was man als österreichisch bezeichnen kann. Spielerisch – mit Körperteilen -, meint Kirstin, kann österreichisches Deutsch unterrichtet werden (für Deutschehrer:innen in Albanien), indem man vier Körperteile nacheinander in einen Rap-Rhythmus integriert. Was ist dabei das typisch Österreichische? Dass jeder einen eigenen Rhythmus findet, erklärt Kirstin, und zeigt es vor, das Traurige trifft auf das Komische. Auch die Darsteller:innen haben ihren eigenen Rhythmus – jeder/jede nimmt sich unglaublich wichtig, besteht auf die eigene Richtigkeit, doch der Rhythmus ist das ,was sie eben vereint: der ausschließlich auf sich selbst gerichtete Blick. Immer wieder werden die gleichen Rapp-Schritte eingesetzt, immer im gleichen Rhythmus, durch die kräftigen Beats der Musik unterlegt. Ist nicht der gleiche Rhythmus vielleicht das, was uns, von den Banalitäten der kleinen Mikro-Welt getrieben, vom Wesentlichen – den Versuch, einen gemeinsamen Rhythmus auf der gesellschaftlichen Bühne  zu finden – ablenkt? Ob der Apfelstrudel – „eine österreichische Köstlichkeit“ (Benjamin) oder die Spätzle – „das Hitlermenü“ – auch als typisch österreichisch gelten? Die Verweise treffen auf die richtige Stelle.

    Morbus Hysteria. Wir haben alle recht. Von Martin Gruber und aktionstheater ensemble (c) Gerhard Breitwieser

    Diversität: „sichtbar und unsichtbar“

    Dass Diversität  mithilfe einer App berechnet werden kann, die die Laute, die Tiere von sich her geben, in unterschiedlichen Ländern lautmalerisch demonstriert,  wie etwa von einem Pferd oder einem Frosch, und dass es auch dabei Unterschiede geben kann, erzeugt ein komischer Moment, bei dem das Publikum in lauter Gelächter ausbricht. Weiter vertieft man sich in Versuchen, die eigene Empathiefähigkeit ganz vorne hinzustellen und als Fahne vor sich zu schweben, sucht man nach ihrem Gegenteil, philosophiert über die Funktion vom Dirndl, eigentlich von Juden erfunden (Dirndl mit 16?), lenkt so nebenbei den Blick auf die Schwachstellen des Feminismus („Das hat schon EINE FRAU gesagt.“). Als Benjamin Meryl Streep zitiert: „Du lebst in diesem Land und muss für diesen Privileg zahlen“, stellt man sich unumwunden die Frage, inwiefern dieses Statement gerechtfertigt ist bzw. wie hoch dieser Preis sein muss. Dass sich Thomas Diversität im Theater wüscht – ein neues Männerbild, von Sensibilität geprägt, und er dabei letztlich ausrastet, lässt einen nachdenken: wie ist er eigentlich, der Mann von heute? Auch ein anderer wichtiger Moment, nämlich die Judenproblematik, wird pointiert von Thomas in den Mittelpunkt gestellt (das Restaurantgespräch, das vom Nebentisch belauscht wird). Das Thema vom jüdischen Humor wird dann von der wunderbaren Tamara aufgegriffen, die sich als lustig findet und als solche wahrgenommen werden will, was aber einen lustig-tragischen Moment erzeugt, und sie letztendlich in Tränen ausbricht. Eine vielschichtige Darstellerin, die innerhalb von wenigen Sekunden verschiedene Stimmungsnuancen auf die Bühne bringen kann. „Sing Tamara“, sagt Benjamin zu ihr, „das Singen ist ein starkes Ausdrucksmittel.“

    Morbus Hysteria. Wir haben alle recht. Von Martin Gruber und aktionstheater ensemble (c) Gerhard Breitwieser

    Auf der Suche nach der Identität

    In Pop-Ups, erzählt der großartige Benjamin, den wir nicht nur vom Theater, sondern auch von seinen zutiefst rührenden Jacques Brel-Auftritten kennen, gibt es Menschen, die sich als Tiere empfinden, und etwa mit „Wolf“ angesprochen werden möchten. Die Suche nach der Identität scheint völlig auf dem Holzwege geraten zu sein, Menschlichkeit tritt auf Kosten von tierischen Zügen zurück. Die Spannung auf der Bühne wird einen Schritt nach dem anderen dermaßen gesteigert, dass im nächsten Moment Benjamin und Thomas dem tierischen Trieb nachgeben und aufeinander auf der Bühne liegen – das Ganze mündet in einen tierischen triebhaften Kampf, ein Ringen, das ins Bodenlose führt. Und wenn alle Worte verstummen und sich überflüssig erweisen, kommt es tatsächlich dazu, dass Tamara sich vor das Mikro hinstellt und ihre starke, klare, gefühlsbetonte Stimme den ganzen Saal einnimmt – „So sad…“ –, bis die Hysterie wieder die Oberhand gewinnt und das alte Spiel von Neuem beginnt. „Ihr seid so extrem…“, macht Manuela so nebenbei die Bemerkung. Somit knüpft sie an das Thema Rechtsextremismus an. Um das richtige Maß muss es gehen, betont sie, die Balance, die Mitte muss man finden: wenn man einem was Schlechtes antut, muss es für diesen Menschen als Ausgleich aus was Gutes tun. Bitter-traurig fühlt sich diese Aussage an, die die die Verschlossenheit der eigenen kleinen Welt widerspiegelt und den Weg für einfache Manipulation aufgrund von Fehlinterpretationen zeichnet.


    Morbus Hysteria. Wir haben alle recht. Von Martin Gruber und aktionstheater ensemble (c) Gerhard Breitwieser

    „Ich nehme immer nur von den Großen“

    Soziale Ungerechtigkeit, oder genauer das Fehlen einer solchen, ist ein weiterer pointiert auf die Bühne dargestellter Moment. Lustig-ernst klingt Manuelas Erzählung, wie sie beim Einkaufen falsche Produkte an der Selbstbedienungskassa einscannt und dafür teurere in die Tasche legt. Ihr Protest. Es ist kein Stehlen, sagt sie, da sie immer nur von den Großen nimmt, und nie von den Kleinen, sie verteile es einfach um.

    In der letzten Szene scheint die Hysterie alle niedergeschlagen und alles um sich herum verwüstet zu haben. Nur die klaren, einem unter die Haut gehenden Klänge der Musik steigen empor. Sie ähneln die Ankündigung einer Katastrophe und zugleich einem Hilferuf, der von der Erde Richtung Himmel gesendet wird, einem SOS-Signal.

    Ein Abend, der lange nachklingt. Intensive Eindrücke, die sich zutiefst einprägen, Bilder, Phrasen, Verweise, Stimmungen, in deren ganzen Nuancen-Palette, die man mitnimmt. Momente der Aufrichtigkeit, die einem zutiefst erschüttern, unbequeme Fragen, die durch ihre Brisanz durchstechen. Banalitäten, die die Tragikomödie des Alltags in der kleinen Mikrowelt, ausmachen. Orientierungslosigkeit und die Frage: Was ist Österreich? Fulminantes Spiel, bei dem die Hysterie einer Gesellschaft auf den Höhepunkt gebracht wird.

    Für Euch gesehen und erlebt.

    Eure Neli Peycheva

     Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Bühne/Kostüme: Valerie Lutz| Video: Resa Lut | Musik: Nadine Abado, Andreas Dauböck, Pete Simpson | Regieassistenz: Johny Ritter| Medienkontakt: Gerhard Breitwieser

    Mit: Michaela Bilgeri, Thomas Kolle,Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek

    Live-Musik: Nadine Abado, Andreas Dauböck, Pete Simpson

    Morbus Hysteria. Wir haben alle recht


    Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble

    In Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz. In Kooperation mit Werk X


    Uraufführung: Di. 30. Mai 19:30 Uhr

    Do. 1. Juni, Fr. 2. Juni, Sa. 3. Juni und So. 4. Juni jeweils 19:30 Uhr 

    im Werk X, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien

    Karten (öffentlich): reservierung@werk-x.at, T +43 1 535 32 00-11, werk-x.at
    www.aktionstheater.at

  • Am Ende

    Am Ende

    Am Ende
    einer jeden Unfähigkeit,
    einer jeden Niederlage,
    einer jeden Besorgnis,
    eines jeden Kummers,
    nach jedem Finale,
    nach jedem Abschied
    verstehst du, dass alles endlich ist.
    Dass alles – das dir Bewusste und Unbewusste –
    ohne einen einzigen Tropfen Dramatismus,
    mit perfekt durchtrainierter Gleichgültigkeit
    die Bühne verlässt.
    Dann richtest du dich langsam auf,
    klopfst den Staub ab,
    umarmst das Mädchen in dir,
    schluckst das finale Ende wortlos hinunter,
    verzeihst ihm seine Endgültigkeit, ohne irgendetwas zu verlangen,
    und setzt einen Schritt weiter auf den Weg…
    zu dir selbst.
    Neli P