Manchmal ist das Glück nichts, das man sich nimmt, sondern etwas, dem man sich überlässt. Du erzwingst es nicht; du lässt das Geschehen geschehen, gibst dem Augenblick die Erlaubnis, dich ganz einzunehmen. In deiner Verletzlichkeit, in deiner wahren Natur verweilst du, und du umarmst ihn – diesen Augenblick. Etwas Göttliches entsteht in dieser Begegnung.
Heute duften die Felder anders. Berauschend süß-sauer, frisch, tief; der Geruch trägt dich weiter, immer weiter. Du versuchst, deine Lieblingsbäume in eine Rangliste zu bringen, chronologisch, von Kindheit an: Birke, Trauerweide, Linde, Pinie. Sattsehen kannst du dich nicht – als hättest du zum ersten Mal Augen für diese grüne Landschaft. In der Bewegung der leicht vom Wind verwehten Zweige, im Ruf des Kuckucks bist du heute, an einem kleinen Ort an der Donau im Waldviertel, dem Glück begegnet.
Im Volksmund heißt es, der Kuckuck sage durch seinen Ruf voraus, wie lange du noch zu leben hast. Heute hat er so oft gerufen – sogar er ist auf deiner Seite. In der Großstadt entgeht einem so vieles von dieser Begegnung, auch wenn du den Blick immer nach oben richtest: in die Baumwipfel, auf der Suche nach der kleinsten, kaum spürbaren Bewegung, in die Wolkenlandschaft, in die ersten Regentropfen. Je älter du wirst, desto mehr fühlst du dich mit der Natur verbunden, desto intensiver spürst du diese Hingezogenheit zu allem Lebendigen.
Im Stift Altenburg denkst du lange über die Verbindung mit dem Göttlichen nach – nicht im religiösen, sondern im spirituellen Sinn. Du verliebst dich in den Innenhof mit dem Kreuzgang; die Geschichte dieses energiegeladenen Ortes, wo Gotik und Barock einander die Hand reichen, ist hier besonders intensiv zu spüren. Beim Verlassen des Stiftes schlägst du das Gästebuch auf und schreibst ein paar Worte hinein – im klaren Bewusstsein, dass du nur ein Glied in der Kette der Zeitlosigkeit bist, und in der Hoffnung, dass jemand in hundert Jahren auf deinen Namen stößt und dich dadurch wiederbelebt. Für einen Augenblick Zeit.
Und dann, fast als Zugabe des Tages, ein Besuch in Schloss Rosenburg: eine betäubende Féerie aus Rosensträuchern in allen Farben und Nuancen und die Weite des Blicks, der sich in die Ferne verliert. Betörend schön. Auch das: Glück.
Was wünschst du dir an diesem Tag? Glück? Dass du noch lange, sehr lange Augen behältst für die Schönheit dieser Welt – und für den Ruf des Kuckucks, der heute so oft auf deiner Seite war. Und dass du schreibst. Weiterschreibst.
Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble
In Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz und dem Theater Kosmos Bregenz. In Kooperation mit Theater am Werk im Kabelwerk.
Nein, es geht nicht um Künstliche Intelligenz, die längst zum Alltag gehört, nicht um die sozialen Medien, die uns mit schwindelerregender Geschwindigkeit überschwemmen, und auch nicht um die Chatbots, die Echtheit simulieren — es geht um den Menschen. Wo ist er? Was geschieht mit ihm? Wo bleibt das Menschliche, und sind wir nicht selbst die Ursache unserer Verwandlung in Objekte und Opfer? Wie weit reicht unsere Verantwortung? Wo liegt die Grenze, jenseits derer uns die Trägheit — das Bedürfnis, an der Oberfläche zu gleiten und über die KI den leichten Weg zu suchen — die Fähigkeit kostet, zu fühlen und uns als Individuen auszudrücken? Warum, um welchen Preis überlassen wir uns Systemen, die uns zu Versuchsobjekten machen? Wird es uns noch geben? Wie lange? Genau diese Fragen stehen im Zentrum von HUMAN (ICH BIN MENSCH), der Inszenierung des radikalen, aufwühlenden und zutiefst aufrichtigen aktionstheater ensemble — eine Uraufführung im THEATER AM WERK, WIEN, die ich mit Ungeduld erwartet habe.
(c) Maximilian Lottmann
Den Auftakt setzt Andreas mit einer schlichten, aber präzisen Frage: Wie würde ein Stück aussehen, das sich mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzt? Die Antwort liefert er sogleich — vom Smartphone abgelesen, KI-generiert, glatt und euphorisch: brillant, erfolgreich, superb kritisch. Dann bricht Isabella herein, hochschwanger und unaufhaltsam real, und mit ihr jene Wirklichkeit, die sich keinem Prompt fügt. Es ist vielleicht einer der ehrlichsten Momente des Abends: nicht die KI wird hier entlarvt, sondern unsere Sehnsucht nach ihrer Reibungslosigkeit.
(c) Maximilian Lottmann
Der Kern des Geschehens entfaltet sich um die hochschwangere Isabella, während die vertrauten Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles ihr Spiel um die Idee eines Crowdfundings für sie verweben. Doch jede und jeder von ihnen kreist um ein eigenes Motiv — die eigene Geschichte. Das eigene Ich und die Bedeutung des Einzelnen treten in den Vordergrund. Die Selbstbezogenheit und Selbstinszenierung.
(c) Maximilian Lottmann
Hinter Kirstins Versuchen, Empathie zu zeigen, zu der sie nicht fähig ist, und ihrem für niemanden nachvollziehbaren Witz, den sie irgendwo gelesen hat und der unbedingt lustig sein muss; hinter dem belehrenden Ton von Thomas, der für alles seine Meinung und Lösung hat und ungemein stolz auf die Qualität seiner Spermien ist — und auf die Möglichkeit, 25 Kinder zu zeugen, denn „Österreich braucht Kinder“; hinter Benjamin, der nicht versäumt zu betonen, wie sehr er vom Publikum und den Kolleginnen und Kollegen im Callcenter geliebt wurde, wegen seines sanften Wesens und seiner Schnelligkeit bei der Arbeit; hinter Andreas, der eitel mit seinem Haar spielt und in der Katzensprache eine gemeinsame Sprache gefunden zu haben glaubt — ein Verständigungsinstrument, das er im Ausland erprobt hat. Hinter all dem spürt man die Unfähigkeit zur echten Begegnung zweier Subjektivitäten. Auf der einen Seite steht Isabella mit der rohen, gnadenlosen Wirklichkeit, der es gleichgültig ist, was andere von ihr denken. Auf der anderen die Schauspielerinnen und Schauspieler mit einem durch soziale Medien reformatierten Bewusstsein, die im Streben nach maximaler Selbstoptimierung die Antworten in ihren Telefonen suchen. Auf der Suche nach Bestätigung ihres inszenierten Wertes — durch Selfies, durch Dick-Pics — sind sie bereit, selbst Teil der Algorithmen zu werden. Vom Du zum Es, im Sinne Martin Bubers.
(c) Maximilian Lottmann
Die Projektionen im Bühnenhintergrund verwandeln sich vom Allgemeinen — Rot-Weiß-Rot, ganz Österreich — zum Konkreten: menschliche Haut, durchscheinende Blutgefäße, das Blut, das in ihnen fließt. Das Menschliche. Mit erschütternder Direktheit spüren wir am eigenen Leib, was geschieht: den Verlust unserer selbst in einer Welt, in der Roboter unseren Platz einnehmen werden — in allen Bereichen, wie am Ende der Inszenierung deutlich wird. Uns gegenüber tanzen Roboter Ballett.
Im Rhythmus der Bewegungen spürt man beides: den Versuch, das Entgleitende zu fassen, und zugleich die Unterwerfung unter die Trägheit — die Unfähigkeit, aus diesem Rhythmus herauszutreten, der, um es mit Martin Gruber zu sagen, von einer „unsichtbaren Abwesenden“ diktiert zu werden scheint.
(c) Maximilian Lottmann
Stark präsent auf der Bühne ist die musikalische Interpretation von Andreas Dauböck und Jean Philipp Oliver Viol. Ihre Beats ergänzen das Spiel nicht nur — sie übernehmen das Narrativ, entwickeln es weiter, heben es empor und hallen im Publikum nach.
Faszinierend, der Mut dieser Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne — diese unglaubliche Mischung aus radikaler Aufrichtigkeit, Kühnheit, Witz, Essenzialität und Tiefe. Ich wünschte, wir wären mutiger. Nach dieser Begegnung mit dem aktionstheater ensemble wünsche ich es mir mehr denn je — weil ich diese bezwingende Angst um die Freiheit spüre, um meine Freiheit, um unsere Freiheit. Die Freiheit zu wählen, man selbst zu sein und authentisch zu bleiben, trotz der Möglichkeit des wiederholten Scheiterns, trotz des Misserfolgs. Die Freiheit zu riskieren — sich selbst, auf dem Weg zum anderen. Und uns irgendwo zu begegnen, so wie wir sind. Menschen. Solange wir da sind. Noch ein paar Wimpernschläge lang.
Eure Neli P
Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster Bühne, Kostüme: Valerie Lutz, Martin Platzgummer | Musik: Andreas Dauböck | Video: Resa Lut Regieassistenz: Sanna Hufsky | Medienarbeit: Gerhard Breitwieser Mit: Andreas Jähnert, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Benjamin Vanyek sowie Andreas Dauböck und Jean Philipp Oliver Viol
In Wien noch am Di. 2., Mi., 3., Do. 4. sowie Fr. 5. Juni um 19:30 Uhr im Theater am Werk im Kabelwerk, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien zu sehen.
Ich liebe diese Tage, die regenstillen, die in sich versunkenen, wenn die Welt — diese sonst so schreiende, schrille, bunte Welt — plötzlich verstummt. Wenn sie erschrickt und sich scheu verbirgt. Wenn die bis vor Kurzem belebten Gassen sich auf einmal leeren. Wenn der Regen sie behutsam reinwäscht. Wenn der Nebel sich langsam in weichen Wollflocken über Hügel und Dächer legt, träge hinabrollt und lautlos im See versinkt. Wenn die Uhren unmerklich stehen bleiben. Wenn man die müde Zeit schwer seufzen hören kann.
Das ist ja eben der stille Segen des schlechten Wetters — man muss nicht hinauf, immer höher hinauf in die Berge, um es zu spüren. Eine genauso innige Begegnung kann auch dort stattfinden, wo es zuvor stumm und unbemerkt zugegen war.
Mir macht das schlechte Wetter keine Angst. Im Gegenteil — es steht auf meiner Seite. Wir reisen schweigend miteinander – unsere seltene Chance, einander ganz allein zu gehören. Der Regen, der unentwegt seine Melodie im Takt mitsingt; die schweren Tropfen, die unaufhörlich aus den Wolken fallen, eine im Wettlauf mit der anderen, zögernd an der Scheibe herabrinnen, ungestüm auf dem Wasser trommeln — wie ein ungebetener Gast, der so sehnlich eingelassen werden möchte.
Ich liebe das schlechte Wetter. Mit einem Mal erinnert man sich daran, wer die Zügel wirklich hält in diesem Leben.
An diesem verregneten Tag, auf den Spuren des schlechten Wetter –
Das Geräusch – die eigentliche Musik des Kaffeehauses: fröhlich-rauschendes Gewimmel, das feine Klappern des Geschirrs, unbeschwerte Gespräche, die sich überlagern und wieder verlieren.
Im Eck links von mir drei Freundinnen zwischen fünfundsiebzig und achtzig, die sich – beherzt in die Kamera blickend – fotografieren lassen. Ihnen gegenüber ein Paar, das plötzlich in schallendes Gelächter ausbricht.
Daneben zwei Damen mittleren Alters, in ein ruhiges, beinahe vertrauliches Gespräch vertieft. Mir gegenüber ein älterer Herr, der mit sichtlichem Genuss eine der berühmten Zauner-Schnitten verschlingt.
Rechts von mir eine junge Mutter mit ihrer zweijährigen Prinzessin und einem vierjährigen Prinzen, die Großmutter an ihrer Seite.
Ihnen gegenüber: ganz gewöhnliche Frauen und Männer, die gemütlich die Zeit verstreichen lassen. Ohne Eile. Ohne sich dem Tempo der Großstadt anpassen zu müssen.
Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble. In Kooperation mit Spielboden Dornbirn und Theater am Werk, Wien.
Links, rechts, vorwärts… Die Bewegungen, die das Ensemble auf der Bühne vollzieht, wirken wie eine choreografierte Übersetzung unserer gesellschaftlichen Zerrissenheit. In der neuen Produktion „Speed“ des aktionstheater ensemble im Theater am Werk entfaltet sich ein Abend, der zugleich rasant, humorvoll, scharf beobachtet und tief berührend ist.
Das Ensemble bleibt seinem Markenzeichen treu: unerschöpflicher Witz, präzise Ironie und eine entwaffnende Offenheit, die das Publikum unmittelbar erreicht. Diese Schauspielerinnen und Schauspieler sind längst mehr als nur Darstellende – sie sind ein Spiegel, ein Korrektiv, ein Resonanzraum unseres eigenen Herumirrens im hektischen Takt der Gegenwart.
Zeynep eröffnet den Abend mit einer Episode über das Sammeln von Bonuspunkten, die plötzlich wertlos werden. Eine kleine Alltagsgeschichte, die sich als treffende Satire auf unsere Konsumabhängigkeit entpuppt. Ihr ironischer Blick zwingt uns, über unsere eigenen Gewohnheiten zu schmunzeln – und uns gleichzeitig zu fragen, wie manipulierbar wir eigentlich sind.
Thomas wiederum wirft beiläufig die Bemerkung ein, dass „alle seine Freunde schwer depressiv“ seien. Der Satz steht im Raum wie ein Schlaglicht auf eine Generation, die zwischen Überforderung und Orientierungslosigkeit pendelt.
Zeyneps Erzählung über Sozialleistungen, Kirstins Darstellung der Ehefrau, die gleichzeitig die Arbeit der Putzkraft übernimmt, oder Benjamins Erinnerung an die Verehrung seiner Großmutter für Kaiserin Zita – all diese Geschichten zeichnen ein Panorama gesellschaftlicher Rollenbilder, nostalgischer Mythen und alltäglicher Absurditäten.
Tamara sorgt mit ihrem bewusst provokanten Auftritt und dem Satz „Ich probiere mal, nicht im Mittelpunkt zu stehen“ für schallendes Gelächter. Ihre Episode über den Möhrenkuchen, der im Café Prückel selbstverständlich „Karottentorte“ heißt, wird zur liebevollen Parodie auf österreichische Sprachstarrheit und kulturelle Eigenheiten.
Isabellas Bericht über elf Wohnungswechsel, Kirstins Begeisterung für japanische Popkultur, Benjamins Kindheitstraum, Stationssprecher zu werden – jede dieser Miniaturen öffnet ein Fenster in persönliche Lebenswelten, die zugleich exemplarisch für viele stehen.
Auch die Frage nach Identität und Tradition wird nicht ausgespart: Tamara weigert sich, ein Dirndl zu tragen – „Da schäme ich mich zu Tode“ –, und verweist damit auf die komplexe Beziehung zwischen jüdischer Herkunft, kultureller Identität und österreichischer Folklore. Thomas’ Erwähnung seiner „Nazi-Oma“ erinnert daran, dass manche Schatten der Vergangenheit noch immer nicht verschwunden sind.
Die Hysterie rund um gesunde Ernährung, die Thomas anhand von Benjamin karikiert, bringt den Saal erneut zum Beben. Vielleicht, weil wir uns alle ein wenig darin wiederfinden.
Zwischen philosophischen Miniaturen über Einsamkeit und Glück, zwischen dem Wunsch zu verschwinden und der Unmöglichkeit, nicht aufzufallen, entsteht ein Abend, der gleichermaßen zum Lachen, Nachdenken und Wiedererkennen einlädt.
Begleitet vom pulsierenden Rhythmus der fantastischen Live-Band bewegen sich die Darstellerinnen und Darsteller unablässig über die Bühne. Die Projektionen im Hintergrund verstärken das Gefühl, dass sie – und wir – ständig in Bewegung sind. Rastlos. Suchend. Verletzlich. Nackt.
So werden sie uns nah, fast intim.
„Speed“ ist eine farbenreiche Collage aus persönlichen Geschichten, gesellschaftlichen Beobachtungen und humorvoller Selbstreflexion. Das Publikum erkennt sich in vielen Momenten wieder – in den Schwächen, den Ängsten, den kleinen Fluchten des Alltags.
Wie die Schauspieler rennen auch wir weiter: mal entschlossen nach vorne, mal zögerlich zurück, mal nach links, mal nach rechts. Ob wir die Welt retten können? Oder wenigstens uns selbst? Vielleicht nicht. Aber der Versuch, darüber nachzudenken, ist bereits ein Schritt – und dieser Abend lädt uns ein, ihn zu gehen.
Am 16. Januar durfte ich diese neue Produktion im Theater am Werk erleben. Ein Abend, der mitreißt, erschüttert, zum Lachen bringt und berührt. Ein Ensemble in Hochform. Und die Gewissheit, wie sehr wir dieses Theater brauchen, um uns immer wieder neu zu finden, nachdem wir uns verloren haben.
Eure Neli P
Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Bühne, Kostüme: Valerie Lutz | Musik: Andreas Dauböck| Video: Resa Lut | Regieassistenz: Sanna Hufsky | Regiehospitanz: Salome Seidl | Medienkontakt: Gerhard Breitwieser Mit: Zeynep Alan, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek sowie Andreas Dauböck, Pete Simpson und Jean Philipp Oliver Viol
Über Verlust, Rettung und die zarte Verbindung zwischen dem Dies- und dem Jenseits
Genau vor einem Jahr ist meine Mutter von uns gegangen. Ich konnte sie nicht retten. Zwar wusste ich, dass Menschen sterben und diese Welt verlassen, doch hatte ich den Tod immer als etwas Fernes, fast Unwirkliches empfunden – so wie damals, als unsere Vermieterin starb und ich gerade einmal sechs Jahre alt war. Das erstarrte Wesen, das alle beweinten, war Lichtjahre von mir entfernt. Erst als meine Mutter ging, wurde der Tod für mich greifbar und real.
So zerbrechlich wie eine Wachsfigur lag sie im Krankenhausbett, mit dem Zopf, den ich ihr geflochten hatte, und stellte immer wieder die Frage, wann wir endlich nach Hause gehen würden.
Mama, weißt du, wie schön du bist!
Mama, hast du Schmerzen?
Mama, atme – bitte atme tief ein!!!
Mama, nur noch ein wenig, dann gehen wir. Bald.
Meine Mutter hat Krankenhäuser ihr Leben lang gemieden und stets gefürchtet, jemals in einem zu landen. Nichts erschien ihr schlimmer als dieser Gedanke. Doch diesmal bestand ich darauf, sie dahin zu bringen – in der Hoffnung, sie dort retten zu können. Wir würden gemeinsam hineingehen und auch gemeinsam wieder hinausgehen, hatte ich ihr versprochen. Kurz vor ihrer Entlassung stieg sie still und leise die Himmelstreppe hinauf – so leicht, fast unmerklich, glitt sie zu den funkelnden Sternen, ließ das Leben mit einer Tapferkeit los, die ich ihr nie zugetraut hätte. Dabei hatte sie doch solche Angst vor dem Tod!
So hatten wir es nicht abgemacht, Mama. Ich hatte Pläne für uns beide.
Ich hatte ihr versprochen, wir würden zusammen nach Hause gehen. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich mein Wort nicht halten: Ich konnte sie nicht retten.
Seit diesem Tag verspüre ich den unaufhörlichen Drang, zu retten. Ich eile wie ein Wirbelwind zu den Schaukeln im Park neben der Schule, wenn ich mit meiner Klasse dort bin, allen voran, nur um sicherzugehen, dass die kleinen Kindergartenkinder nicht von meiner ausgelassenen Schar wie Federchen fortgetragen werden. Stürzt jemand zufällig, eile ich sofort zu Hilfe. „Tut es weh?“ Wenn ein geliebter Mensch erkrankt, lasse ich alles andere liegen und schlüpfe gedanklich in den weißen Kittel. Dann spüre ich, wie alles andere an Bedeutung verliert, wie mein Körper leichter wird, als ob ich nicht mehr auf dieser Erde, sondern näher an jener anderen Welt wäre – der Welt des Feinstofflichen, des Unausgesprochenen, des universell Verbindenden. Hätte ich die Kraft, würde ich neun Berge überqueren, aus neun Brunnen Wasser holen – wie es in der bulgarischen Folklore heißt –, ein Wunder vollbringen, nur um zu retten. Wenn ein Freund in Not ist, suche ich nach einer Lösung – entwirre Gedanken, verbringe schlaflose Nächte, bis ein Lichtschein sichtbar wird. Wenn jemand weint, trockne ich seine Tränen.
In solchen Momenten werde ich vom Wunsch getragen, das Leid in dieser Welt zu verringern, in der es doch eine stetige Konstante ist.
Stolz.
Ich lege meinen Stolz auf die Waagschale, die Zeit, die mir davonrinnt, die Kräfte, die mir geblieben sind und wiege sie gegen das Leid. Die Waage neigt sich: Dürfte ich noch hundertmal neu entscheiden, würde ich immer wieder den Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen über den Stolz stellen und alles geben, nur um jemanden retten zu können. Ich schlucke meinen Stolz hinunter, halte die Zeit an, lege meine Rüstung an.
Es schmerzt mich um die Menschen. Ich sehe sie – zerbrechlich, verzweifelt, verhärtet, von Schmerz gezeichnet, umherirrend – und ich möchte sie retten. Ich möchte sie retten in diesem einen so kurzen Leben. Jetzt. Bevor auch ich die Himmelsleiter emporsteige. Doch erst kürzlich habe ich erkannt, welch große Illusion dieser Wunsch ist. Es fällt mir schwer, es sogar zuzugeben: Ich kann niemanden retten. Manchmal wollen Menschen auch gar nicht gerettet werden.
Für die Seele meiner Mutter habe ich die Augustinerkirche in Wien gewählt – weiß, zart, zerbrechlich und lichtdurchflutet, so wie sie selbst. Dort könnte sie ihre Flügel ausbreiten und frei zwischen den Welten schweben, zwischen Diesseits und Jenseits. Ich suche sie im Kerzenschein, im Licht. Oft stelle ich mir vor, sie sei nun ein Vogel – so fühlt es sich an.
Mama, Mama, bist du es?
Sie kommt zu mir, besucht mich, vergisst mich nicht – sie hat mir ja versprochen, immer bei mir zu sein. Von ihr geblieben sind mir ihre Schreibmaschine und ihr Telefon – ihre Verbindung zu den Menschen und zu mir. Nun muss ich aufbrechen. An diesem vierten November habe ich ihr so viel zu erzählen.
Uraufführung von Martin Gruber undaktionstheater ensemble
In Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz und dem Theater Kosmos. In Kooperation mit Theater am Werk, Wien.
Ab Mi. 11. Juni im Theater am Werk, Wien, sowie ab Do. 26. Juni im Theater Kosmos Bregenz – im Rahmen des internationalen Festivals Bregenzer Frühling zu sehen.
Aktionstheater ensemble ist die Theaterkompanie, die ich mit angehaltenem Atem erwarte. Ich zähle die Tage, frage mich, ob ich nicht einmal nach Bregenz fahren sollte – zu der Stadt, mit der das aktionstheater tief verbunden ist –, um mehr zu spüren, noch mehr zu erfahren. So groß ist meine Begeisterung. So fesselnd und mit solch einer Leidenschaft spielen diese außergewöhnlich talentierten Schauspieler*innen, die im Herbst am New Yorker Broadway erwartet werden. Mit einem faszinierenden, humorvollen und selbstironischen Ton tragen sie die gesamte Last der schonungslosen Aufrichtigkeit auf ihren Schultern – und präsentieren diese durch eine eindringliche und meisterhafte Darbietung auf der Bühne.Noch größer wird meine Ungeduld, je mehr ich mich in dieser Zeit, in dieser Welt verliere, je mehr Wahrheiten um mich herum verschwiegen oder ignoriert werden, je stärker Systeme den Druck erhöhen, je mehr autoritäre Ansätze – auf jeder Ebene – mein Gefühl für Demokratie und Freiheit verdrängen, je enger es wird.
Am 13. Juni präsentierte das mehrfach ausgezeichnete aktionstheater ensemble sein neuestes Stück Ragazzi del Mondo in Wien, wie schon seit Jahren traditionell im Theater am Werk. Vor dem Hintergrund der globalen politischen Lage, der Bedrohung durch bewaffnete Konflikte, der Verdrängung demokratischer Werte durch rechten Radikalismus, dem Straucheln im Alltagsbanalen und dem Verlust von Orientierung zeigt das aktionstheater ein Kaleidoskop von Perspektiven, Meinungen und Charakteren. Ist die Welt, die ich „meine“ nenne, wirklich auch die einzige?
Von der Bühne begrüßen uns diese „Ragazzi del Mondo“ – erschöpft, in staubiger Kleidung – Wanderer, Reisende, die durch die Welt schreiten, dabei die Welt in sich tragend.
Ist es wirklich der perfekte Geschenkgedanke, eine Waffe zu verschenken, wie es die Webseite Euroguns, die „Schnupperschießen“ anbietet, beschreibt und von Thomas zitiert wird? Was fühlt man, wenn man eine Waffe in der Hand hält, wenn man abdrückt? Diese Fragen diskutieren die großartigen Schauspieler*innen, die uns bereits aus anderen Stücken der Theatertruppe wohlbekannt sind. Und wie steht es mit dem Töten eines Tieres und dessen Opferung, wie etwa bei Zeyneps Maturafeier in der Türkei – ein Ritual, das als Geste des Wohlwollens betrachtet wird? Wird ein Opfer freiwillig zum Opfer, so wie die Ziege ihren Kopf senkt und darauf wartet, zum Opfer zu werden? Macht unsere Passivität uns selbst zu Opfern, fragen wir uns, das Publikum. Genau in diesem Moment, als all diese Fragen in mir aufkommen, fasst Benjamin mit seiner klaren Feststellung zusammen: „Man darf sich nicht immer zum Opfer machen.“
Die Puppe, die Thomas in den Händen hält, verkörpert einen bewaffneten Menschen, bereit zum Handeln. Es scheint, als wären Thomas und die Puppe untrennbar miteinander verbunden – er trägt sie wie eine Waffe vor sich her.
Zeyneps Schmerz, ausgelöst durch die politische Situation in ihrem Heimatland der Türkei, und ihre durchdringende Besorgnis scheinen für die Anderen weit weg zu sein – als ginge es sie nichts an, als lebte jede*r nur in seiner eigenen Welt.
Isabellа besteht auf Objektivität. Die Sensibilität, die sie als charakteristisch für sich betrachtet, fasst Kirstin als eine allgemeine Charaktereigenschaft zusammen: Jeder sei sensibel.
Benjamin, in der Rolle des Mediators, der Konflikte entschärft und Spannungen im Namen des guten Tons abbaut, fasst zusammen: „Es geht um das Miteinander.“
Selbst die Bühnenchoreographie – energische Schritte, Arme, die sich immer wieder schützend vor der Brust verschränken, Blicke, die hektisch umherwandern auf der Suche nach dem richtigen Weg und einer Orientierung – verkörpert eindrucksvoll die Idee des Verlusts von Orientierung und Vision. Bewegung – in Gedanken, Emotionen und in den Landschaften der eigenen Vorstellungen – findet ihren Ausdruck sowohl in den Tanzschritten als auch in den kraftvoll geladenen Beats der Musik von Andreas Dauböck. Gruppen bilden sich, ihre Zusammensetzung wandelt sich ständig, je nachdem, wer sich gerade auf welche Seite und gegen wen stellt. Die Parallele zu den sich schnell verändernden politischen Farben und Loyalitäten ist unübersehbar.
Von den Projektionswänden rund um die Bühne blicken uns Gesichter entgegen – vor Schreck verzerrt, mit weit aufgerissenen Mündern, als würden sie stumm um Hilfe schreien. Uns marschieren disziplinierte und bewaffnete Armeen in perfektem Gleichschritt entgegen. Sie vermitteln das Gefühl einer Kriegssituation.
In einer Welt, in der jede*r seinen Platz finden kann, solange gewisse Grenzen eingehalten werden, erklärt Benjamin entschieden: „Ich will nicht mit Nazis und Faschisten zusammen sein.“
Obwohl Thomas nur eine einzige Vision für sich selbst skizziert – das Fliehen, falls ein Krieg ausbricht – führen die Überlegungen, wo woanders denn Platz auf der Welt für uns sein könnte, ins Nichts. Es scheint kein anderes „Wo“ zu geben, als genau hier – genau dort, wo wir immer waren.
Das Thema Schuld wird in einem sehr intensiven und emotional aufgeladenen Moment behandelt, der das Publikum in ergriffenes Schweigen hüllt: Thomas ist wie erstarrt, weil er den letzten Wunsch seiner Großmutter nicht erfüllen konnte.
Kirstin thematisiert Konformität – die fehlende Bereitschaft, anders zu sein oder Stellung zu beziehen, als sie erzählt, wie sie über eine Leiche am Eingang eines Geschäfts steigen musste und dabei versuchte, an ihre Einkäufe zu denken: „Ich habe versucht, das zu machen, was alle machten.“
„Drübersteigen, weitergehen“, fügt Benjamin hinzu – ein Slogan, der in der heutigen Welt immer präsenter wird, in einer Zeit, in der der Mensch und seine individuelle Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt werden, zugunsten von Diktatoren und geopolitischen Ambitionen.
Und so setzt sich der Weg fort – nach vorne schreitend, dann wieder umdrehend, vermeintlich voranschreitend, manchmal auch Schlamm kriechend, doch immer weiter, immer vorwärts, in einer scheinbar endlosen Spirale des Fortschreitens, ohne vom Kurs abzuweichen, aber nie ankommend.
Persönlichkeiten, die sich herausfordern und provozieren. Welten, jede für sich allein, individuell, mit eigenen Theorien, Vorstellungen und Interpretationen, die den eigenen Bedürfnissen dienen – und dennoch nicht weit genug entfernt, um wirklich als „anders“ bezeichnet werden zu können. Wie auch der Regisseur Martin Gruber in einem Interview unter Bezugnahme auf Viktor Frankl betonte: Wir haben dieses einzige Leben, um hier etwas zu bewirken.
Diese Welt – unruhig, besorgt, erschütternd, beängstigend, durchzogen von Schuld, Paradoxien und Widersprüchen ist … die einzige. Der einzige Ort, den wir haben, an dem wir existieren können, ist hier und jetzt. Indem wir die Grenzen des eigenen Selbst überschreiten – füreinander, miteinander. Unsere Welt.
Eure Neli P
Cast & Crew:
Konzept/Inszenierung: Martin Gruber | Text: Martin Gruber und Ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Bühne: Valerie Lutz und Martin Platzgummer | Kostüme: Luis Kaindlstorfer | Musik: Andreas Dauböck | Video: Resa Lut | Regieassistenz: Sana Hufsky | Medienkontakt: Gerhard Breitwieser
Mit: Zeynep Alan, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Benjamin Vanyek und Musiker:innen des aktionstheater ensemble
Uraufführung: Mi. 11. Juni 19:30 Uhr
Do. 12. Juni, Fr. 13. Juni, Sa. 14. Juni und So. 15. Juni jeweils 19:30 Uhr
im Theater am Werk, Kabelwerk, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien
Wenn man mich fragt, wie sich der Schmerz anfühlt, könnte ich unendlich viel erzählen. Er ist allgegenwärtig. In den Nächten, wenn ich träume, dass sie nur für zwei Minuten gegangen war – und dann wieder aufwachte. Wenn ich höre, wie sie mich ruft, damit ich sie von jenem Ort abhole, an dem ich sie zurückgelassen habe. Wenn ich in meinen Träumen mit ihr reise, immer auf der Suche nach einem Haus mit schöner Aussicht für sie. Wenn ich ihr Paris zeige, weil sie Französisch sprach, französische Filme und Chansons liebte – eine Reise, die ich so sehr mit ihr machen wollte.
Wenn ich in der Augustinerkirche sitze und ihr von meinem Leben ohne sie erzähle. Wenn mich mitten in einer Menschenmenge plötzlich Tränen überwältigen. Wenn ich ihre Stimme höre, wie sie immer wieder Scarlett O’Hara zitierte: „Morgen ist auch ein neuer Tag. Morgen entscheide ich.“ Wenn mir plötzlich alles so oberflächlich erscheint.
Wenn ich abends durch den Prater gehe und sie nicht mehr anrufen kann für ein langes Gespräch. Wenn ich sie einfach anrufen will – weil mir etwas Gutes oder Schlechtes passiert ist. Wenn ich vor einem Hindernis stehe und ihren Rat höre: „Das Leben ist sehr kurz. Wenn du kannst, gleite an die Oberfläche, denke nicht zu viel nach.“ Wenn ich nach oben blicke und nach ihr suche – in einem kleinen, zwitschernden Vogel – und mit ihm beginne zu sprechen.
Wenn mich Facebook-Erinnerungen unvermittelt erschüttern: ihre Grüße zum Frühling, ihr Geburtstagswunsch, ein Lied, das sie geteilt hat und das ich damals übersehen hatte. Wenn ich ihre Musik höre. Oder wenn, so wie heute Abend, eine schlichte Bewegung alles zurückbringt: Ich schwenke die Tasche hin und her – und plötzlich bin ich wieder sieben Jahre alt, in Varna, am Schwarzen Meer. Urlaub, aber nicht ganz, denn meine Schwester musste operiert werden. Ich warte mit Mama vor der Klinik. Sie hat eine Sommerstrohtasche dabei. Ich schwenke sie in der Hitze des Hochsommers hin und her, und dann fällt ihre Zigarettenschachtel auf den Boden.
Letzte Woche habe ich von einem Kinderbuch erfahren, in dem ein Mädchen durch ein Telefon im Baum mit seiner verstorbenen Freundin spricht. Vielleicht wäre das auch für mich eine Möglichkeit – eine Art, weiter mit ihr zu telefonieren, als wäre sie noch da.
Ich glaube nicht mehr daran, dass Schmerz überwunden werden kann. Nicht, dass er geheilt werden muss. Mehr denn je verstehe ich Mama – ihre Traurigkeit, mit der sie ihren geliebten Bruder und ihre Mutter vermisste. Sie wollte ihn retten, nahm einen Kredit für die teure Operation auf, zu der es nie kam – weil er nach drei Monaten nicht mehr lebte. Jahre später stellte sich heraus, dass sie den Kredit nicht hätte zurückzahlen können. Sie schämte sich bis ans Lebensende. Wir Menschen sind grausame Richter über unsere Nächsten, als wären wir selbst fehlerlos.
Ich habe begonnen, meine Erinnerungen mit ihr aufzuschreiben – aus Angst, sie eines Tages zu vergessen. Man kann den Schmerz nicht besiegen, aber man kann sich mit ihm anfreunden. Und wenn mir alles zu grell, zu schrill, zu kitschig, zu künstlich vorkommt, dann aus gutem Grund: Es zählt nur die Essenz. Diese Erkenntnis macht mein Dasein nicht leichter, nicht fröhlicher – aber hoffentlich echter.
Ich habe keine Illusionen mehr von ewigem Leben. Ich lese über den Tod, um das Leben zu verstehen. Um jene Traurigkeit zu verstehen, die den Hals zuschnürt.
Meiner Tochter habe ich gesagt: „Meine Liebe, ab jetzt teile ich mit dir all die dummen und nicht so dummen Dinge meines Lebens, denn ich kann sie nicht mehr anrufen.“ Und sie versteht. Was sie noch nicht versteht, ist, dass der Schmerz das Einzige ist, das bleibt. Er erwacht immer wieder – durch eine Geste, ein Wort, eine Stimmung.
Man sagt, wir tragen zu fünfzig Prozent unsere Eltern in uns. Ich will das glauben. Ich suche sie – in mir und um mich. Und ich werde mich nicht entschuldigen für meine Traurigkeit.
Es ist nicht nur ihr Name, der etwas fast Religiöses suggeriert. Dass hier, im Salon Magdalena Bari Kunst in ein Heiligtum verwandelt wird und allem, was ihre Hände berühren, Leben eingehaucht wird, ist kein Zufall. Wenn man diesen besonderen Ort betritt, entfernt man sich in Sekundenschnelle von dem regen Treiben draußen und taucht in eine ruhige, lichtdurchflutete Welt ein.
Hier geht es lang zum Salon…
Für mich fühlt sich jeder Besuch im Salon Magdalena Bari wie eine meditative Begegnung mit der Schönheit an. Man ist dort, um die Zeit anzuhalten, den Moment zu genießen, ohne Eile, ganz entspannt im geräumigen, geschmackvoll dekorierten Studio, das sofort die künstlerische Neigung erahnen lässt.
Denn Kunst ereignet sich auch hier, wenn sie sich mit Schere und Kamm in der Hand vor den Spiegel stellt. Was ihre Oma einst sagte, dass sie mit Schere und Kamm in der Hand immer ihr Brot verdienen könnte, hat sich durch die Jahre weiterentwickelt – zu einer Form voller Ästhetik, Sinn und Leidenschaft.
Die Tür ist schon offen…
Vor 13 Jahren hat der Saloni seine Türen in der Schulerstraße, gleich hinter dem Stephansdom, geöffnet. Für Magdalena war es ein langer, nicht immer leichter, aber sehr erfüllender Weg, den sie mit der moralischen Unterstützung ihres Partners eingeschlagen hat, der ihr Potenzial schon früh erkannte.
Licht drängt sich durch die Fenster herein.
Schon mit 12 Jahren kam sie mit ihrer Familie aus dem schönen Budapest nach Wien. Seitdem ist diese Stadt ihr Zuhause geworden, und zugleich der Ort, an dem sie ihre Berufung voll ausleben kann. Den Schritt hat sie nie bereut, denn ihr Herz schlägt für Wien und ihre Leidenschaft.
Das Haus in Budapest, in dem Magdalena und ihre Geschwister aufgewachsen sind.
Es ist immer das Neue, Provokante, Mutige, das sie inspiriert. Sie hat sich der Kunst verpflichtet hat und ist vielseitig interessiert. Jede neue Ausgabe des Impulstanz-Festivals erwartet sie mit Spannung. Sie ist laufend in Museen, auf Ausstellungen oder Konzerten ihrer Lieblingsmusiker, wie Nick Cave, zu sehen. Es ist ein stetiger künstlerischer Energiefluss, der durch sie fließt und in der Kunst ihrer Hände Ausdruck findet.
Hier werden alle Wünsche besprochen und die richtige „Strategie“ angelegt.
Vor meinem Termin bei Magdalena Bari habe ich lange überlegt, welche Blume zu ihr passen würde. Letztlich wählte ich Anemonen, deren Eleganz und Zerbrechlichkeit am besten zu Magdalena passen würden, denke ich. Genauso fein, voller Ästhetik und Licht ist die Kunst, die sie in der Schulerstraße 1-3 in Wien erschafft. Kommt und überzeugt Euch selbst!
Eure Neli P
Wo? In der Schulerstraße 1-3, 1010 Wien
Kontakt: +43 (0) 1 512 11 12
salon@magdalenabari.wien
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