Kategorie: Schönes Österreich, mein Österreich

  • Auf den Spuren des schlechten Wetters

    Auf den Spuren des schlechten Wetters

    Wenn es regnet, sagt man, weine der Himmel.

    Ich liebe diese Tage, die regenstillen, die in sich versunkenen, wenn die Welt — diese sonst so schreiende, schrille, bunte Welt — plötzlich verstummt. Wenn sie erschrickt und sich scheu verbirgt. Wenn die bis vor Kurzem belebten Gassen sich auf einmal leeren. Wenn der Regen sie behutsam reinwäscht. Wenn der Nebel sich langsam in weichen Wollflocken über Hügel und Dächer legt, träge hinabrollt und lautlos im See versinkt. Wenn die Uhren unmerklich stehen bleiben. Wenn man die müde Zeit schwer seufzen hören kann.

    Das ist ja eben der stille Segen des schlechten Wetters — man muss nicht hinauf, immer höher hinauf in die Berge, um es zu spüren. Eine genauso innige Begegnung kann auch dort stattfinden, wo es zuvor stumm und unbemerkt zugegen war.

    Mir macht das schlechte Wetter keine Angst. Im Gegenteil — es steht auf meiner Seite. Wir reisen schweigend miteinander – unsere seltene Chance, einander ganz allein zu gehören. Der Regen, der unentwegt seine Melodie im Takt mitsingt; die schweren Tropfen, die unaufhörlich aus den Wolken fallen, eine im Wettlauf mit der anderen, zögernd an der Scheibe herabrinnen, ungestüm auf dem Wasser trommeln — wie ein ungebetener Gast, der so sehnlich eingelassen werden möchte.

    Ich liebe das schlechte Wetter. Mit einem Mal erinnert man sich daran, wer die Zügel wirklich hält in diesem Leben.

    An diesem verregneten Tag, auf den Spuren des schlechten Wetter –

    Eure Neli P

  • Das Kaffeehaus

    Das Kaffeehaus

    Das Geräusch – die eigentliche Musik des Kaffeehauses: fröhlich-rauschendes Gewimmel, das feine Klappern des Geschirrs, unbeschwerte Gespräche, die sich überlagern und wieder verlieren.

    Im Eck links von mir drei Freundinnen zwischen fünfundsiebzig und achtzig, die sich – beherzt in die Kamera blickend – fotografieren lassen. Ihnen gegenüber ein Paar, das plötzlich in schallendes Gelächter ausbricht.

    Daneben zwei Damen mittleren Alters, in ein ruhiges, beinahe vertrauliches Gespräch vertieft. Mir gegenüber ein älterer Herr, der mit sichtlichem Genuss eine der berühmten Zauner-Schnitten verschlingt.

    Rechts von mir eine junge Mutter mit ihrer zweijährigen Prinzessin und einem vierjährigen Prinzen, die Großmutter an ihrer Seite.

    Ihnen gegenüber: ganz gewöhnliche Frauen und Männer, die gemütlich die Zeit verstreichen lassen. Ohne Eile. Ohne sich dem Tempo der Großstadt anpassen zu müssen.

    Einfach schön.

    In der Rolle der Beobachterin:

    Eure Neli P