Schlagwort: ich

  • ZOOM Reality

    ZOOM Reality

    Heute führten mich meine Gedanken in das ferne 1998 und die Jahre danach zurück… Vor meinen Augen verliefen wie im Kino all die Stempel in meinem alten Pass, die die Ein- und Ausreise an jedem Grenzübergangspunkt dokumentiert hatten, damals, als man immer noch nicht „frei“ reisen konnte – so rund 160 an der Zahl. Die langen 35-stündigen Busfahrten nach Deutschland, die Zugreise von Bulgarien bis nach Wien und von Wien bis nach Jena, die Busreise über Wien bis nach Oradea, jeden gefühlten Kilometer hatte ich damals gezählt.

    Dass sich das Ganze mal wiederholt, das wäre mir allerdings nie durch den Kopf gelaufen, mir, die so gerne alleine reist, um völlig ungestört in der Rolle des Betrachters die Welt beobachten und wahrnehmen zu können. Nie hätte ich auch gedacht, dass aus meinem Ich ein virtuelles Bild wird, ein ZOOM-Ich, das tagtäglich vom Bildschirm auf mich blicken würde. Musste heute mit einer sehr wissbegierigen jungen Dame scherzen, dass wir wohl in Verbindung bleiben würden, auch wenn man uns in die Wüste oder an den Rand der Welt schicken würde. Nur auch das habe ich mir nicht ganz so vorgestellt.

    Nur wer die Unfreiheit kennt, kann sie aufgeben, und umgekehrt – um Scott M. Peck zu paraphrasieren. Es tut allerdings nicht weniger weh. Eure Neli P

  • Weiß

    Weiß

    Weiße Räume üben eine ziemlich merkwürdige magnetisierende Wirkung auf mich aus. Wenn ich einen weißen Raum betrete, werde ich blind, die Weißheit des nichtssagenden, sinn- und emotionsentleerten, das Ich widerspiegelnden Weiß lädt zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst ein.  Dieses mich reflektierende Weiß blendet mich dermaßen ein, dass es mir – zwischen Weiß und Weiß gefangengenommen – unmöglich erscheint, dieser Falle entkommen zu können, ohne vorher eine Beichte abgelegt zu haben. Ein Blick im Spiegel, Ich gegen Ich. In die Stille hineinhorchen, um nachzuspüren, was da ist oder was eben nicht. Das, was gerade „nicht da ist“, ich allerdings viel intensiver wahrzunehmen. Heute jedenfalls!

    Also, was ist nicht da?

    Kein Make-Up, keine Rolex am Handgelenk, keine schimmernde Goldkette um den Hals, keine high heals, kein einziges Swarovski Steinchen, kein Sonnenbrand, nicht mal ein Piercing oder ein winzig kleines Tattoo – einfach so, zum Anheben des Selbstwerts, so nebenbei! Nichts.

    Weiße Räume machen mir Einiges zu schaffen, und vor allem – Sorgen! Diesmal – Sorgen um mich.

    Wie geht es so weiter mit dir, Neli?

    Ohne Statussymbole ist man nämlich eine weiße Wand. Wie geht es nun also so weiter mit mir? Ohne irgendwelche Attribute, die mir Halt und Orientierungsbasis im Leben geben, wo ich hingehöre und wo nicht? Ausschließlich aufgrund dessen, was ich bin? Ach, Bullshit! Es gibt so Vieles, so unglaublich Vieles an mir auszubauen, Leute!