Monat: Juli 2020

  • Ich erkläre es Euch

    Ich erkläre es Euch

    Ihr fragt Euch, warum ich so gut aussehe und dieses unbeschreibliche Glück ausstrahle?

    Ich erkläre es Euch.

    Jeder Tag beginnt für mich mit dem Sonnengruß, gefolgt von aufrichtiger Danksagung an die bulgarische Regierung. Gleich danach, in stillem Rückzug (still, weil da nicht viel zu sagen übrig bleibt), widme ich mich devoter einstündiger Meditation. Dies lässt mich denken, dass ich mir völlig genug bin, so, wie ich ganz alleine dasitze, unabhängig davon, was in der äußeren Welt los ist. Daraufhin wende ich mich immer an die Sterne, lausche im Wind hinein und kriege eindeutige Antworten für meine Zukunft, weil ich ja die richtigen Fragen gestellt habe. Gegen Mittag bekomme ich regelmäßig je ein Video von Euch mit einem allwissenden Weisen darauf. Mein Tag ist gerettet! Dankeschön, das stärkt meinen Glauben an das Gute immens und macht mir deutlich, wie wenig ich, die Arme, weiß! Nachmittags lege ich die Tarotkarten und da entscheiden die Göttinnen für mich (ein Geheimnis: alle Karten sind streng geprüft, sonst hätte ich sie nicht gekauft! Kein Tod, keine Rache und keine Schicksalsschläge! Garantiert!) Abends schalte ich nie den Fernseher ein, sonst wäre die ganze Mühe umsonst!

    Ein ganz normaler sorgenfreier Tag bei mir…

    Doch manchmal erwischen mich manche Nachrichten früh morgens und bringen mich aus meiner Nirwana-ähnlichen Balance, wie etwa diese, dass Flüge vom Balkan nach Wien untersagt werden. Da werde ich blitzschnell in die Realität zurückgeholt. Wer hätte daran gedacht, dass ich nun einen Tunnel graben muss.

  • Does Muhammad need that much?

    Does Muhammad need that much?

    I’m sad today. And no, I don’t need numerology or astrology or any prophets at all to find out that I’m like the moon 😊. And I do admire the newly risen commercially oriented sexologist and almost established influencer in Bulgaria Natalia Kobilkina, as she says in one of her competent videos, she doesn’t care about the protests in America or anything else, as she lives pretty fine in her own micro-world.

    Well, I function differently.

    Because my world is not only mine and the outside world is not only foreign. Because there is something called “collective memory” and that thing connects us throughout the ages beyond borders and generations.

    I understand more than ever the concept of „thinking with an open mind,“ the concept of being able to see the whole, not just observing and perceiving from one’s own limited point of view – a quality that, on the contrary to all evolutionary laws, turns out to be underdeveloped nowadays. On the contrary to the laws of evolution, we do not become wiser, but only more arrogant, more unforgiving, more narcissistic, and more sticking to the only one worldview (!) – ours. To turn a Hagia Sophia https://www.hagiasophia.com/ without thinking too much into a mosque is a sad proof of trampling on and neglecting the collective memory.

    And The Hagia Sophia is a part of it. Just like the Egyptian obelisk, just like the Fountain of Wilhelm II in Istanbul. I was there, in the church, and I saw it with my own eyes, and most of all, I felt it. A centuries-old story with lots of intertwined destinies. Look into the eyes of the icons on the walls and let us see if you can stay unaffected by the flow of history. And I keep asking myself „Does Muhammad need that much? So much noise? All that ostentatiousness? Such a gesture?” I doubt it, because I spoke to him in June a year ago in private in the Haci Bayram https://kvmgm.ktb.gov.tr/TR-43999/ankara—haci-bayram-camii.html mosque in Ankara.

    When I traveled for a second time to Istanbul 2012, alone and by bus, I heard from the guide the whole story of Ataturk again, including the romantic love story about him and a beautiful Bulgarian girl. Last year in Ankara, I was so impressed to see him, looking at me from a portrait from almost every corner. Now I understand more than ever why. Turkey needs an Ataturk nowadays, but he isn’t here. He isn’t here.

  • Zwei Kilo Zeit, bitte!

    Zwei Kilo Zeit, bitte!

    Meine Liebe,

    zwei Kilo Zeit will ich! Glück in Sicht! Kaufe Zeit!

    Schneiden Sie mir bitte zwei Kilo Zeit ab, zahle bar!

    Mit dem schärfsten Messer! Von der teuren Zeit!

    Scheißegal dieser Preis, es ist wahr,

    dass ich von der kostbarsten Zeit haben will,

    damit wir ohne überflüssige Worte, ganz still

    sitzen ohne „Wie lange?“ und „Wann?“,

    und unsere Stille zu Wort kommen kann.

    Damit die Zeit, tragend deinen Namen,

    meine Zeit setzt in leuchtenden Rahmen,

    und ich neben dir auch dieses Mal

    zahle pro Kilo für Stille real.

    Netto. Für zwei Verse Leben,

    für zwei Herzgeschichten zahle die Summe,

    für unsere Stille, für zeitloses Schweben.

    Und möge die Stille niemals verstummen.

  • Ich reich!

    Wenn mir jemand sagt, ich war immer arm und so wird es immer sein, da bin ich beleidigt. Ich bin beleidigt, weil es nicht stimmt, zumindest, was die erste Hälfte betrifft.

    Nach dem 1. Studienjahr ging ich für eine Woche in Urlaub ans Meer. Dort angekommen, fiel es mir plötzlich ein anzufangen, „Rap Hairs“ aus bunten Fäden zu flechten, und ich blieb da den ganzen Sommer, drei Monate lang. Die Zöpfchen aus Fäden verzierte ich mit farbigen Glasperlen, und die reichen Touristen zahlten viel Geld dafür, und mir besonders gut, da ich Deutsch und Englisch konnte!

    Die Zeit der Bananen war das, da es völlig unmöglich war zu „schließen“, da sich das ganze Geschäft auf der Straße vorm Hotel abspielte. Also arbeitete ich ununterbrochen und bis zur vollen Erschöpfung. Mitte des Sommers war ich dermaßen am Ende meiner Kräfte, dass ich drei Tage vom Bett nicht aufstehen konnte. Dann ging alles von Neuem weiter. In jenem Sommer eröffnete ich mir mein erstes Bankkonto und sparte so viel Geld, dass es mir gelang im Herbst eine Waschmaschine (der Traum einer jeder Hausfrau, hihi!) und einen kleinen Farbfernseher zu kaufen. Somit war das ganze Geld vom Bankkonto verbraucht. Davor war ich aber drei ganze Monate reich! Hört ihr das??? Reich!

    Seitdem bin ich allerdings arm. Ich besitze aber eine Waschmaschine und einen Farbfernseher immer noch!